DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
58
(Deutsche) Imperialistische Hoheit über An..
  [4 pics,5 files] begonnen von arktika am 17.04.2022  | 58 Antworten
gehe zu Seite:1234
NEUER BEITRAG13.02.2025, 09:54 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Ideologische Umwertung

Die erste Runde stellte eine »Diskussion« just am 8. Mai 2022 mit dem Titel »Sehen – Erkennen – Verstehen. Das Sowjetische Ehrenmal in Dresden neu denken?« unter der Federführung der Zweiten Bürgermeisterin und Beigeordneten für Kultur und Tourismus Dresdens, Annekatrin Klepsch, dar. Eine Expertenrunde verständigte sich darauf, dass eine Neuinterpretation postsowjetischer Geschichtsnarrative und der Symbolik von Denk- und Erinnerungsmalen »im Kontext des gegenwärtigen Krieges der Russischen Föderation in der Ukraine« notwendig sei. Denn während das Denkmal einerseits für das Leid stehe, das der deutsche Angriff vom Juni 1941 über die Völker der damaligen Sowjetunion gebracht habe, zeige es »unverkennbar« militaristische und idealisierte Darstellungen mit heroischem Pathos und dokumentiere »so auch den Charakter des stalinistischen Systems und Besatzungsregimes, indem es als Siegermonument stilisiert wurde«.

In dieser Auslegung erweist sich der ideologisierende Charakter der Kontextualisierung des Ehrenmals. Betrachtet man lediglich die Fakten des Ehrenmals, so verkündet es: »Ewiger Ruhm den Kämpfern der Roten Armee, die in den Kämpfen gegen die deutschen faschistischen Invasoren für die Freiheit und Unabhängigkeit der sowjetischen Heimat gefallen sind.« Auch dass der Soldat auf dem Sockel die rote Fahne zum Zeichen des Sieges erhebt, dokumentiert eine unleugbare Tatsache. Alles andere kann der Betrachter denken und hineindenken, allein die Wahrnehmung der Experten spiegelt noch keine Tatsachen. Doch die Diskussion hatte Erfolg: Die Idee der Kontextualisierung war geboren.

In der zweiten Phase schritten die Kontextualisierer zur Tat. Das Kunsthaus Dresden und die Künstlerin Svea Duwe entwickelten eine »temporäre künstlerische Intervention sowie ein öffentliches Diskussionsformat«. Dies wäre geboten angesichts des herannahenden 80. Jahrestages der Befreiung 2025. Zwar war die bauliche Sanierung des Denkmals für 2024 geplant, und das Denkmalamt hatte eine Sicherungsspange zum Unfallschutz angebracht, doch das genügte nicht. Nach Auffassung Duwes muss das Ehrenmal »aus heutiger Sicht nicht nur in Bezug auf seinen baulichen Zustand, sondern auch inhaltlich saniert werden«.

Duwe stellte die Frage nicht nur nach der materiellen Fragilität, sondern auch nach der »Fragilität der erinnerungskulturellen Kontexte und einer erforderlichen Neubewertung« des Denkmals. Sie legte selbst Hand an und beklebte das Denkmal mit Spruchbändern: »Dieses Gebilde ist fragil« (jW am 23.5.2023). Diese »temporäre ­Installation« empfing die Besucher, die die toten Sowjetsoldaten am 8. Mai ehren wollten. Medial war die künstlerische Intervention ein voller Erfolg. MDR Kultur titelte: »Kunstaktion will Debatte über Sowjetische Ehrenmale anregen.«

Versteckte Ukrainer?

Die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch ging zur dritten Phase der Umwertung über. Im Januar 2024 berief sie einen »Beirat für Erinnerungskulturen« ein, einschließlich einer »Arbeitsgruppe Sowjetisches Ehrenmal«. Im Mai 2024 wurde eine »Kontextualisierung« des Sowjetischen Ehrenmals beschlossen. Auf Stelen im Umkreis des Denkmals sollen die Besucher auf »Probleme« hingewiesen werden, die bei der Betrachtung des Denkmals Zweifel an seiner Wahrhaftigkeit wecken könnten. Zum Beispiel könnte verschwiegen worden sein, dass die Soldaten der 5. Gardearmee »überwiegend« aus Ukrainern (und nicht etwa aus Russen) bestanden habe. Das weckt den Verdacht: Verstecken »die Russen« etwa »ihre Ukrainer«? Oder: Man mache sich Gedanken zur Ambivalenz von »Befreiung« und »Besatzung« sowie zur Rolle der Roten Armee in Dresden (Gedanken über eine Zeit, in der die Gefallenen der 5. Gardearmee bereits tot waren). Oder Fragen zum »heutigen erinnerungspolitischen Umgang mit dem Denkmal, besonders am 8. und 9. Mai«. (Der 9. Mai wird in Russland als Tag des Sieges gefeiert.) Geplant sind auch Texte in ukrainischer Sprache, damit gelegentliche ukrainische Besucher nicht durch Russisch verschreckt werden.

Zum Symbol der roten Fahne hatte sich der ­Historiker Justus H. Ulbricht bereits in seiner Rede bei der »künstlerischen Intervention« am 8. Mai 2023 geäußert. Er beanstandete zum Beispiel, dass der Soldat auf dem Denkmal die Fahne zum Zeichen des Sieges hochhält und nicht in Trauer senkt. Er schreckte auch nicht davor zurück, die Lieder, die in Italien und Deutschland auf die rote Fahne gesungen werden, mit dem Horst-Wessel-Lied zu vergleichen. Und zum Ehrenmal: »Wir« müssten nicht nur das Denkmal »ertüchtigen« (!), sondern auch unsere Erinnerungskultur. »Wie kommentieren wir künftig ein Monument, das uns weitgehend oder komplett fremd geworden ist?« – »Müssen wir künftig unsere Beziehung zu Russland überdenken, wenn wir auf ein Denkmal schauen, das auch an viele gefallene Ukrainer erinnert?«

Zum Anteil der Ukrainer an der 5. Gardearmee bat junge Welt die Pressestelle der russischen Botschaft um Auskunft. Diese teilte mit:

»Die Behauptung, dass irgendwelche Militärverbände der Roten Armee, unter anderem die 5. Gardearmee, überwiegend aus Ukrainern bestanden, ist spekulativ, provokativ und hat keine echte Grundlage. Die Sowjetunion war ein Vielvölkerstaat, in dem vor Anfang des Großen Vaterländischen Krieges infolge eines massiven sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandels starke Bevölkerungswanderungen und ethnische Vermischungen stattgefunden haben.

Die Einberufung in die Rote Armee und die Bildung militärischer Verbände erfolgten nicht auf der Grundlage der Herkunft der Menschen. Alle Völker wurden gleichermaßen betroffen mit der Ausnahme von kleinen und indigenen Minderheiten.

Die Russische Föderation teilt die sowjetischen Krieger, die gemeinsam im Kampf gegen den deutschen Nationalsozialismus fielen und auf dem Gebiet der Bundesrepublik und anderer Länder bestattet sind, nicht nach ihrer Herkunft ein. Wir halten solche Versuche für unmoralisch und inakzeptabel.«

Seit August vergangenen Jahres tüfteln die Dresdner Kontextualisierer an den Formulierungen für die Stelen. Zwar soll das Ensemble des Ehrenmals entsprechend der Begründung der Sanierung erhalten werden – was Ausbauten oder Ergänzungen ausschließt –, aber am Plan der Kontextualisierung wird festgehalten. Die Metallteile des Ehrenmals wurden inzwischen abgebaut und werden saniert. Doch die Kontextualisierungstexte werden geheimgehalten. Nach Auskunft des Amtes für Kultur und Denkmalschutz vom Montag, den 10. Februar, werden sie nicht zur Verfügung gestellt.

Doch nicht zum ersten Mal stellt sich die Frage: Was haben die toten Soldaten von 1945 mit dem Krieg in der Ukraine zu tun? Wer will mit wem eine Rechnung begleichen? Wozu will man noch einen Keil zwischen Russen und Ukrainer treiben? Brauchen Dresdner Politiker noch immer einen Popanz für die Abrechnung mit dem Sozialismus? Oder gar mit der Befreiung vom Faschismus? Wer zwingt sie dazu, sich an den toten sowjetischen Soldaten zu vergehen? Müssen deutsche Oberlehrer ihre Überlegenheit beweisen?


>>>>>
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! sowjet Ehrenmal Dresden.jpg
NEUER BEITRAG13.02.2025, 10:00 Uhr
EDIT: arktika
13.02.2025, 10:06 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Es geht auch anders

Dass es auch anders geht, beweist das Sowjetische Ehrenmal in der Schönholzer Heide in Berlin. Dort sind 13.200 gefallene sowie 3.000 kriegsgefangene Sowjetsoldaten bestattet. Das Ehrenmal wurde in den Jahren 2011 bis 2013 instand gesetzt und am 13. August 2013 vom Berliner Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller, und dem Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir M. Grinin, gemeinsam wiedereröffnet. In den Torhäusern sind Zitate von J. W. Stalin angebracht. Deutsche Oberlehrer würden sie diskutieren, doch niemand nimmt daran Anstoß.

Ein anderes Beispiel: In der Normandie liegen Zehntausende amerikanische, britische, kanadische, französische und deutsche Soldaten auf vorbildlich gepflegten Friedhöfen bestattet. Viele französische Gemeinden haben den USA den Grund und Boden für ihre Gefallenen geschenkt. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge berichtet regelmäßig, dass russische und belarussische Behörden ihn darin unterstützen, auf ihren Territorien die Überreste deutscher Soldaten zu exhumieren und zu bestatten. Im November 2024 schrieb der Volksbund an den Verfasser: »In einer Welt, in der Konflikte und Auseinandersetzungen allgegenwärtig sind, ist unsere Mission aktueller denn je. Wir glauben fest daran, dass Gedenken und Erinnern an die Vergangenheit dazu beitragen, eine friedliche Zukunft zu gestalten. Indem wir die Geschichten der Vergangenheit bewahren und die Gräber der Soldaten und zivilen Toten pflegen, schaffen wir ein Bewusstsein für die Schrecken des Krieges und fördern gleichzeitig die Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern.«

Im Mai 2023 erklärte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auf die Frage von jW, ob es das Anliegen des Freistaates Sachsen und der Kunststadt Dresden sein könne, an den sowjetischen Denkmalen »herumzumodeln«: »Es gibt viel Gerede, wie wir mit den sowjetischen Ehrenmalen umgehen sollen. Wir haben uns in der Bundesrepublik Deutschland der Geschichte gestellt. Wir haben das in einem Staatsvertrag geregelt. Der Denkmalschutz wird gewahrt. Ein Abbau kommt nicht infrage. Einzelne können Einwände machen. Wir sollten das mit viel Gelassenheit und Ruhe behandeln.«

Frage nach der Verantwortung

Hört in Dresden niemand die Signale? Will man vollendete Tatsachen schaffen? Spätestens hier stellt sich die Frage nach der Verantwortung. Das »Neudenken« des Sowjetischen Ehrenmals in Dresden wird im Verantwortungsbereich der Beigeordneten für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch, betrieben. Klepsch tritt auch bei öffentlichen Veranstaltungen wie der Kunstaktion am 8. Mai 2023 auf. Auch die Vertreterin der Linken im Beirat, Margot Gaitzsch, forderte bereits in seiner konstituierenden Sitzung, die Kontextualisierung zu priorisieren. Dies kann nicht ohne Einverständnis ihrer Partei in Dresden gehen. Obwohl es unter den Mitgliedern der Linken nach der »Kunstaktion« Unruhe gab, wird unbeeindruckt weitergemacht. junge Welt fragte den Fraktionsvorsitzenden der Linken im Dresdner Stadtrat, André Schollbach, wie die »Kontextualisierung« des Sowjetischen Ehrenmals mit den friedenspolitischen Grundsätzen der Linken zu vereinbaren sei. Im Namen der Fraktion antwortete die Stadträtin Kristin Dänhardt:

»Der 8. Mai als Tag der Befreiung muss in der Dresdner Gedenkkultur einen ähnlichen Stellenwert wie der 13. Februar erhalten. Der Tag steht symbolisch für das Ende des Faschismus in Deutschland und für den Beginn eines nunmehr 80 Jahre dauernden Friedens.

Die Erhaltung des Ehrenmals ist ein wichtiger Bestandteil der Gedenkkultur Dresdens.

Die Verbrechen Nazideutschlands waren und bleiben ein in ihrem Ausmaß singuläres Verbrechen. Eine Relativierung der Opfer im Kampf gegen den Faschismus birgt die Gefahr einer Relativierung der Schuld Nazideutschlands. Der Kontextualisierung des Ehrenmals sind in dieser Hinsicht Grenzen gesetzt – das sind zumindest Grenzen, die wir ziehen.

Eine aktuelle Bezugnahme kann – sensibel vorgenommen – allerdings auch das positive Gegenteil bewirken, wenn sie Bezug auf das Leid nimmt, das Kriege mit sich bringen, auf die Gefahr eines erstarkenden Faschismus und auf den zwingenden Zusammenhang zwischen faschistischen Ideologien und ihren kriegerischen Auswirkungen.

Dass das Ehrenmal saniert wird, ist allerdings ein Erfolg, zu dem wir einen Beitrag geleistet haben.«

Das klingt versöhnlich, hat allerdings den »Haken«, dass unterschwellig in Dresden gestritten wird, ob die Bombardierung Dresdens eine notwendige Maßnahme der Kriegführung oder ein Verbrechen war. Könnte also die Befreiung Dresdens durch die 5. Gardearmee ein Einerseits-Andererseits haben? Und – kleiner Hinweis – der Frieden in Europa war 1999 mit der Bombardierung Jugoslawiens durch die NATO zu Ende. Im Kern der Sache heißt es, es wird weiter (sensibel!) kontextualisiert. Dem Unfug wird kein Ende gesetzt.

Diese Position ist nicht unbestritten. Für die Fraktion des Bündnisses Sahra Wagenknecht im Stadtrat ist die »Kontextualisierung« ganz und gar nicht zustimmungsfähig, wie der Stadtrat Jan Matheas gegenüber jW erklärt. Doch bis heute hat sich in Dresden keine politische Kraft formiert, die sich der skandalösen Herabwürdigung des Sowjetischen Ehrenmals konsequent entgegenstellt. Die Geschichte wird vor aller Augen revidiert. Wenn das Ehrenmal am 8. Mai zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus der Öffentlichkeit wieder übergeben wird, werden die Besucher durch Kommentare belehrt, was am Denkmal und seiner Botschaft nicht stimmt.

Das Pikante an der Diskussion um das Sowjetische Ehrenmal: Die 5. Gardearmee wurde großteils aus Verbänden formiert, die in der Schlacht um Stalingrad gesiegt hatten. An denen können »wir« uns heute unser Mütchen kühlen. So gewinnen »wir« den Krieg doch noch. Eine Wahrheit aber werden die Dresdner Neuhistoriker nicht umstoßen: »Гитлер капут!« – »Gitler kaput!«


Link ...jetzt anmelden!

#Sowjetunion
#Russland
#Denkmal
#Mahnmal
#Dresden
#Geschichtsklitterung
#Gedenken
#RoteArmee
#Gedenkkultur
NEUER BEITRAG13.02.2025, 10:24 Uhr
Nutzer / in
arktika

"Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge berichtet regelmäßig, dass russische und belarussische Behörden ihn darin unterstützen, auf ihren Territorien die Überreste deutscher Soldaten zu exhumieren und zu bestatten."

Das kann ich nur bestätigen. Vor einigen Jahren - vor dem Dichtmachen der Grenzen zu Rußland - hatte ich Gelegenheit, einen russischen (ehemals sowjetischen) Soldatenfriedhof nahe eines großen Schlachtfeldes zu besichtigen. Dort waren nicht nur die Gräber der gefallenen sowjetischen Soldaten, sondern auch zahlreiche deutsche Gräber. ALLE "vorbildlich gepflegt". Und auch auf den deutschen Gräbern lagen Blumen.
Zudem verbrachten noch immer viele Freiwillige - vom Bauarbeiter bis zum Uniprofessor, von der Fliesenlegerin bis zur Ingenieurin - ihren Sommerurlaub damit, in den umliegenden Wäldern und Mooren nach Überbleibseln Toter (Knochen, "Hundemarken" ...) zu suchen, damit diese begraben werden können und evtle. noch lebende Verwandte letzte Gewißheit bekommen. Ohne Kohle dafür zu kriegen! Und ganz egal, ob sowjetisch oder deutsch. Aus Respekt vor den Toten! Und aus Mitgefühl mit den Angehörigen - egal welcher Kampfseite!
NEUER BEITRAG26.02.2025, 08:30 Uhr
Nutzer / in
arktika

(Deutsche) Imperialistische Hoheit über Antifagedenken Auch die derzeitige Führung der VVN-BdA verhält sich nicht länger ihrer Bezeichnung entsprechend, sondern beteiligt sich ebenfalls an der Propagandawalze des BRD-Regimes ... und erweitert somit das Lager der Staats"linken" und Staats"antifaschistInnen". (Allerdings glücklicherweise ist dies an vielen Orten noch nicht gelungen, sondern immer noch zumindest umkämpftes Terrain; kein Grund also aufzugeben, sondern dagegen auch IN der Organisation anzukämpfen.)

Hierzu ein Text von Susann Witt-Stahl auf der Themenseite der jW vom 21. Februar 2025:

VVN-BdA

Hilfloser Antifaschismus

Das Establishment der VVN-BdA im Rausch der »Zeitenwende«


Die Luft wird dünn für Antifaschisten in Deutschland. Das gilt zumindest für alle, die den Imperativ »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln« noch in seiner ganzen historischen Tragweite begreifen wollen. Dazu gehört heute mehr denn je seit 1945, sich nicht mit den sozialchauvinistischen Kräften gemein zu machen. Denn sie erweisen sich gegenüber den für den NATO-gestützten deutschen Imperialismus nützlichen Faschisten bestenfalls als blind. Der rechte Historiker Heinrich August Winkler hatte sie zu Recht als »posthume Adenauer’sche Linke« gewürdigt.

Sie erhoben schon keinen Einspruch, als die Schlägertrupps des »Rechten Sektors« auf dem »Euromaidan« in den Medien zu »Radikal-Demokraten« mutierten. Und sie tun das auch nicht, seit das kriegstüchtige Deutschland die mittlerweile in die ukrainische Armee integrierten Faschisten nach NATO-Standard aufrüstet. Wer solche Ungeheuerlichkeiten, womöglich sogar im historischen Kontext des deutschen Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion, kritisiert, wird der »fünften Kolonne des Kremls« zugeordnet, und dies – unter dem Motto »Gut, wenn es ein Linker tut« – auch zunehmend von Nazigegnern, die Faschismus weitgehend auf AfD reduzieren.

Verfälschen und vertuschen

So geschieht es der Herausgeberin und den Autoren des im Verlag 8. Mai erschienenen Dokumentationsbands der von jW und M&R veranstalteten Konferenz »Der Bandera-Komplex. Der ukrainische Faschismus – Geschichte, Funktion, Netzwerke«, die im Oktober 2023 in Berlin stattgefunden hatte: Ihnen wird im Organ der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Antifa, Rechtfertigung des »russischen Expansionskriegs« unterstellt. Dafür schreibt Thomas Hacker, der Autor, Jürgen Lloyd, Vorstandsmitglied der Marx-Engels-Stiftung, der einen faschismustheoretischen Beitrag zum »Bandera-Komplex« geliefert hat, die Aussage zu, in der Ukraine handle »es sich um eine ›faschistische Herrschaftsform‹«. Und Hacker weiter: »Daraus folgert er [Jürgen Lloyd] dann, dass der Überfall ein antifaschistischer und ›ein gerechter Krieg ist, ein Krieg, bei dem die Arbeiterklasse und die Mehrheit der Bevölkerung das Interesse haben, dass er siegreich verläuft‹.«

In Wahrheit behauptet Lloyd weder das eine noch das andere. Im Gegenteil: Er vertritt die These, dass die Russische Föderation zwar einen Verteidigungskrieg gegen den kollektiven Westen führt, aber keinen antifaschistischen, weil ihr Klassencharakter das nicht zulasse (Lloyds Aussage über den »gerechten Krieg« bezieht sich gar nicht auf die Ukraine, sondern auf den Spanischen Krieg gegen Franco und den Abwehrkampf der Roten Armee gegen Hitlerdeutschland). Und den »Übergang zur faschistischen Herrschaftsform« in der Ukraine betrachtet Lloyd lediglich als »Option« und drohende Gefahr – nicht als bereits vollzogenen Prozess.

Für diese Falschbehauptungen verlangte Lloyd von den Redaktionsleitern des Antifa-Magazins, Nils Becker und Andreas Siegmund-Schultze, eine Gegendarstellung. Diese wurde verweigert. Da Lloyd mit der zweiten Falschbehauptung faktisch der Billigung eines Angriffskriegs – nach deutschem Recht eine Straftat, wie der Antifa-Redaktion bekannt sein dürfte – verdächtigt wird, blieb ihm nichts anderes übrig, als beim Gericht einen Antrag auf Unterlassung einzureichen. Dass dieser mit der Begründung abgelehnt wurde, Hackers falsche Darstellungen seien von der »Meinungsfreiheit« gedeckt, sollte in der »Zeitenwende«-Gesellschaft nicht überraschen.

Noch gravierender sind Fälschungen in einem Magazin, dessen Name Programm sein sollte, wenn es um die Geschichte faschistischer Traditionen geht. Autor Hacker, der von der VVN-BdA als »Ukraine-Kenner« vorgestellt wurde, bezeichnete die im »Bandera-Komplex« dargelegte historische Tatsache, dass die Kiewer Streitkräfte den Ruf »Slawa Ukraini!« (Ruhm der Ukraine) von der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) übernommen haben, als »Legende« – mit der Begründung, dieser stamme aus dem 19. Jahrhundert. Das ist so aberwitzig, wie die Grußformel »Sieg Heil!« dem frühen Sandalenstummfilmkino zuzuordnen, wo sie tatsächlich auftauchte, und nicht Mussolini und Hitler. Zutreffend ist, dass der ukrainische Nationaldichter Taras Schewtschenko den Ausruf »Slawa Ukraini!« 1840 schon einmal verwendet hatte. Aber historisch relevant wurde er erst durch die OUN und deren Vorläufer. Der Bandera-Flügel der Ukrainischen Nationalisten (OUN-B) hatte ihn auf seinem Kongress im April 1941 offiziell mit der Antwort »Gerojam Slawa!« eingeführt – so wird das Ritual von der ukrainischen Armee seit 2018 praktiziert (im alltäglichen und zivilen Gebrauch wird der zweite Teil meist weggelassen). Der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe hat belegt, dass die deutsche Wehrmacht beim Einmarsch in die Westukraine von der OUN-B und ihren Anhängern während der Pogromtage im Juni/Juli 1941 mit den Rufen »Heil Hitler!« und »Slawa Ukraini!« empfangen wurde. Im vergangenen Jahr stellte der ehemalige Leiter des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung, Wolodimir Wjatrowitsch, unmissverständlich klar: »Slawa Ukraini!« muss bis heute als »Bandera-Gruß« verstanden werden. Einen Anhaltspunkt, warum Hacker abstreitet, was selbst die Bundeszentrale für politische Bildung zugegeben hat, liefert die im »Bandera-Komplex« enthaltene Kritik an der Geschichtsvergessenheit von Olaf Scholz: Der Kanzler hat den Gruß der Faschisten, deren Anführer Adolf Hitler die Treue geschworen hatten, wiederholt ausgestoßen. Den »Ukraine-Kenner« treibt offenbar das Verlangen, diese Schande zu vertuschen.

Schutzbehauptungen und Gehorsamsübungen gegenüber der Bundesregierung bilden das Leitmotiv in Hackers Rezension. In seinen Anwürfen, im »Bandera-Komplex« würden »Schwurbler« walten, dort habe alles seinen »Platz und seine Funktion« wie »bei jedem Verschwörungsnarrativ«, manifestiert sich eine realitätsverweigernde konformistische Haltung, laut der nicht sein kann, was besonders in Deutschland nie (wieder) sein darf: dass der Kapitalismus grob werden muss.


>>>>>
NEUER BEITRAG26.02.2025, 08:35 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Kreml-Propaganda-Alarm

Auch in der von Hacker als Aufklärung gepriesenen VVN-BdA-Podcastreihe zum Ukraine-Krieg vom Mai 2022 ist Verblendung Programm. Allein die Auswahl der Experten für die Gesprächsrunde über den ukrainischen Nationalismus ist ein Bekenntnis. Ausgerechnet mit Unterstützung von drei Jungle World-Autoren wollte Moderatorin Maxilene Schneider, Historikerin und Referentin für Geschichts- und Erinnerungspolitik der VVN-BdA, den »Finger in die Wunde« legen: Der ukrainische Aktivist Stanislav Serhiienko, der kurz vorher bezeugt hatte, die rot-schwarzen Fahnen der OUN-B und ihres paramilitärischen Arms Ukrainische Aufständische Armee (UPA) seien »mittlerweile so gut wie verschwunden«, bezifferte den Anteil von »Rechtsradikalen« unter den ukrainischen Kämpfern mit »wahrscheinlich ein Prozent«. Das geschah, während ukrainische Politiker und Militärs in Bandera-Besoffenheit wetteiferten, die neonazistische »Asow«-Bewegung diverse neue Einheiten aufstellte (zum Beispiel »Kraken« existierte zu diesem Zeitpunkt schon und hatte gerade das Denkmal des Rote-Armee-Marschalls Georgi Schukow in Charkiw zerstört) und andere faschistische Kampfverbände wie »Rechter Sektor«, »OUN«, »Karpaten-Sitsch«, »Swoboda«, »Ajdar«, »Bratswo« etc. in der Armee und Nationalgarde ausgebaut wurden. Dort dürfen die unzähligen Neonazis auch in anderen Einheiten ihre SS-Runen oder Dirlewanger-Truppenkennzeichen zur Schau stellen. Und für die ukrainischen Streitkräfte in toto gilt: Von der Kopfbedeckung bis zum »Marsch der Ukrainischen Nationalisten« – sie stehen fest in der Tradition der OUN und UPA, deren Rechtsstatus als »Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine« 2015 in Gesetze gegossen wurde – obwohl diese am Holocaust beteiligt waren.

Als Politikwissenschaftlerin Lara Schultz herausrutschte, dass es »viele extrem rechte Bataillone et cetera gibt«, wofür sie sich sogleich entschuldigte, kam sofort der Ordnungsruf der VVN-BdA-Moderatorin: Schneider löste mit dem Zitat aus dem Podcast-Publikumschat »Ihr produziert hier das Putin’sche Narrativ« sofort Kreml-Propaganda-Alarm aus und vermutete, »dass wir noch mal was geradeziehen müssen«. Das geschah dann auch: Die Faschisten unter dem Kommando eines banderistischen Oberbefehlshabers, Walerij Saluschnij, und ein ukrainisches Verteidigungsministerium, das die jährlichen »Bandera-Lesungen« unterstützt, hielten sie nicht davon ab, ihre vorherigen Ausführungen zu konterkarieren: »Dass es Nazikameradschaften und sonstige Gruppierungen gibt, heißt auch nicht, dass es irgendeine Verbindung zu Staat, Regierung und zu sonst wem gibt«, so Schultz. Schließlich verstieg sie sich noch zu einer grotesken Behauptung: »Die Ukraine ist ein demokratisches Land, und da kannst du demonstrieren«, lobte Schultz einen Staat, der sämtliche kommunistischen und sozialistischen Organisationen, Symbole, Publikationen, oppositionellen Parteien und Medien verbieten, Friedensaktivisten und Antifaschisten vom SBU mit Hilfe von Nazischlägern brutal verfolgen und einsperren ließ.

Auch vor mehr als fragwürdigen Vergleichen wurde in der VVN-BdA-Runde nicht Halt gemacht: Die »Massivität der Gewalt« der russischen Armee, etwa in Kiewer Vororten – »das sind ganz spezifische Praktiken, die mir von der Wehrmacht bekannt sind«, konstatierte Johannes Spohr. Der Historiker spielt regelmäßig die Gefahr des ukrainischen Faschismus herunter. 2023 deklarierte er die Ehrung des Ex-SS-Manns Jaroslaw Hunka durch das kanadische Parlament als »unangenehmes Versehen« – die Tatsache ignorierend, dass OUN-B-Organisationen unter anderem sogar Mittel zur Finanzierung ihrer Erinnerungspolitik für Hitlerkollaborateure von der Regierung in Ottawa erhalten. Entsprechend hatte Spohr in der VVN-BdA-Sendung an den Säuberungen der Ukraine vom sowjetischen Erbe lediglich auszusetzen, dass sie »unbeholfen« durchgeführt werden, und fand es »zynisch, beispielsweise ›Asow‹ als Grund anzuführen, die Ukraine nicht zu unterstützen«. Die VVN-BdA-Referentin nahm daran keinen Anstoß. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, an die Grundgewissheit sogenannter wertebasierter deutscher Russland-Politik zu erinnern: Putin unterhält ein »Regime«, Selenskij eine »Regierung«.

Unter dieser schrägen Prämisse lief auch der VVN-BdA-Podcast über den »großrussischen Nationalismus«: Michael Brumlik, ehemaliger Leiter des Fritz-Bauer-Instituts und einer der vier geladenen Experten, befand, dass man Russland »durchaus nicht unbedingt direkt mit dem nationalsozialistischen Deutschland, wohl aber mit Italien, mit dem Spanien von Franco, mit dem Portugal von Salazar und dem Rumänien der Zwischenkriegszeit nicht nur vergleichen, sondern gleichsetzen« könne. Solche Regimes gehörten »von Anfang an eingegrenzt«, apostrophierte Brumlik den strategischen Gebrauchswert seines Faschismusvergleichs für den imperialen Westen. Mit dabei auch die Russland-Korrespondentin der Jungle World, Ute Weinmann, die eine »Gegneranalyse« über Russland als Vorbild der Neuen Rechten für die Neocon-Denkfabrik Zentrum Liberale Moderne angefertigt hat – deren Kochefin Marieluise Beck bewundert die »Asow«-Krieger als Freiheitshelden (»sie kämpfen auch für uns«). Folglich verhandelte Weinmann den Machteinfluss von Nazis und anderen Faschisten in der Ukraine als »Narrativ« russischer »Ideologieproduktion«.

Restaurationskurs

Letztlich wurde in den Podcasts nur der »Finger in die Wunde« der selektiven Wahrnehmung des VVN-BdA-Establishments gelegt. Dieses marschiert längst im Takt der »normalisierten« und auf den Kurs der deutschen Restauration eingeschwenkten Linkspartei. Eine tapfer und beharrlich an friedenspolitischen Grundsätzen festhaltende Basis nötigt noch zur Zurückhaltung, aber der VVN-BdA-Vorstand vollführt immer häufiger Eiertänze mit transatlantischem Ausfallschritt. So in seiner Erklärung »zum Überfall auf die Ukraine« vom 24. Februar 2022: Cornelia Kerth und Florian Gutsche verurteilten scharf die »nackte Gewaltpolitik« des »Putin-Regimes«, nicht aber die zum Teil rabiat durchgesetzte NATO-Osterweiterung, die sie euphemistisch »Bestrebungen mittelosteuropäischer Staaten nach wirtschaftlicher und militärischer Integration« nannten, die von Deutschland »gefördert« und von Moskau »als Bruch von Versprechungen und Akte der Aggression interpretiert« werde (der Maidan-Coup und Kiews »Antiterroroperation« gegen die eigene Bevölkerung wurden nicht erwähnt).

Und während das VVN-BdA-Establishment keine Gelegenheit versäumt, die »Instrumentalisierung« des antifaschistischen Großen Vaterländischen Krieges auf russischer Seite zu geißeln – bei der heteronomen Vereinnahmung durch Zaristen und andere Nationalisten berechtigt –, begünstigt es mit Berufung auf die Geschichte deren Klitterung auf der Gegenseite: In der Ukraine würden »die Enkel der Opfer des deutschen Faschismus« heute »aufeinander schießen«, walzte die VVN-BdA Berlin in ihrer Erklärung zum 8. Mai und 9. Mai 2024 einen Unterschied nieder, der einer ums Ganze ist: Auf der ukrainischen Seite der Front kämpfen Legionen stolzer Enkel der Täter, die den Bandera-Kult ihrer Ahnen zelebrieren und sich mit den Insignien von Hitlers Hilfstrupps schmücken.

Desorientierung kommt von Demagogie. Einige VVN-BdA-Funktionäre hängen bereits an den Lippen der Informationskrieger des militärisch-industriellen Komplexes der NATO. Bundesgeschäftsführer Thomas Willms bewarb im Antifa-Magazin das Institute for the Study of War (ISW), das den Irak-Krieg und andere Angriffskriege des Welthegemons befeuert hat, als »seriöse Quelle« über den Ukraine-Krieg – es sei »eine Fehleinschätzung, im ISW eine Abteilung des US-Militärs zu sehen«, weiß Willms. Nicht minder heiß empfahl er die »spannenden Analysen« und »Zahlenwerke« von Marcus Keupp. Der Militärökonom hatte den Sieg über Russland für Oktober 2023 vorausberechnet. Seit dieser auf unbestimmte Zeit verschoben ist, predigt er den Krieg der unbegrenzten Möglichkeiten in der »welthistorischen Auseinandersetzung mit dem russischen Imperialismus, der wieder [sic!] versucht, nach Europa vorzudringen«.


>>>>>
NEUER BEITRAG26.02.2025, 08:38 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Antifa von oben

Auf dem Niveau fixierter Ideologie unter den Vorzeichen des militaristischen Umbaus von Staat und Gesellschaft fußt auch die Broschüre »Versuche rechter und verschwörungsideologischer Einflussnahme auf die Friedensbewegung«, die die VVN-BdA gemeinsam mit ATTAC, der DFG-VK und deren Bertha-von-Suttner-Stiftung unter dem Titel herausgegeben hat. Der Autor stammt aus dem Milieu der »Antideutschen«, agiert unter dem Namen »Lucius Teidelbaum«* in der Jungle World, für Die Linke, SPD- und Grünen-nahe NGOs – etwa die Heinrich-Böll-, ebenso die Amadeu-Antonio-Stiftung, die im Informationsaustausch mit dem »Verfassungsschutz« genannten Inlandgeheimdienst steht und auch Projekte der VVN-BdA fördert.

Folglich fokussiert »Teidelbaums« »Forschungsinteresse« mehr auf »Antiamerikanismus« und »DDR-Antisemitismus« als auf den Revanchismus falscher Friedensfreunde wie Elsässer und Co., die der nächsten »nationalen Erhebung« entgegenfiebern. Nicht nur das: »Teidelbaum« pocht faktisch auf deutsche Kontinuitäten und elaboriert die mit der Ampelaußenpolitik synchronisierten Befunde der VVN-BdA-Podcastreihe zur Apologie des im westgebundenen Globke-Staat wieder erblühten deutschen Imperialismus: Unter dem Motto »Stalinismus-Vorwürfe ziehen immer«, wähnt er eine »neue Sozialfaschismus-These« hinter der Ablehnung von Waffenlieferungen an die Ukraine als rechte Politik. Ebenso verteidigt »Teidelbaum« die NATO unter anderem gegen die Feststellung, dass despotische Regime zu den Mitgliedern zählen: »Den ›Vereinten Nationen‹ (UN) könnte man ebenso vorwerfen, dass ihnen autoritäre Staaten angehören.« Wer den Unterschied zwischen dem aggressivsten Militärpakt der Welt und dem globalen Staatenzusammenschluss zwecks Friedenssicherung nicht kennt, bearbeitet auch Kritik an der Meinungsindustrie mit dem Ideologieholzhammer des »Antifaschismus« der dummen Kerls. Und so warnt »Teidelbaum« vor einer »Feindlichkeit« gegenüber »etablierten bzw. bürgerlichen Medien« wegen deren transatlantischer Ausrichtung und Regierungsnähe als »Einfallstor« rechter Gefahr. Warum – darüber geben Sekundärquellen wie »Tagesschau«, Spiegel, Tagesspiegel, Taz etc. Aufschluss, auf die »Teidelbaum« seine Expertise stützt.

In der Broschüre der VVN-BdA und ihrer Mitstreiter drückt sich wesentlich ein »hilfloser Antifaschismus« als »integrierender Teil der Restaurationsideologie« aus, den Wolfgang Fritz Haug 1967 rechtskonservativen Faschismusforschern attestiert hatte – und der seit den 1990er Jahren Hochkonjunktur auch in der Linken hat. Das verwendete Vokabular strotzt vor Schlagworten des Aufstands der Unanständigen einer mit Karriereangeboten von vorwiegend steuerfinanzierten »Demokratieförderungs«-Stiftungen geschmierten Antifa von oben: Allen voran »Verschwörungserzählung«, die historisch spezifische Form des Schmähbegriffs »Agententheorie«. Damit wurde früher nicht nur die falsche Reduzierung der Ursachen von Krieg und Krisen auf die Konspirationen von Großkapitalisten kritisiert, sondern von deren Advokaten, wie dem Historiker Henry Ashby Turner, fast alle marxistischen Faschismustheorien diskreditiert. Heute trachten »Antideutsche« und andere Adenauer-Linke mit dem kryptoantikommunistischen Kampfbegriff »Verschwörungsideologie« nach Demontage der Grunderkenntnis des Marxismus von der Klassenstruktur der kapitalistischen Gesellschaft. Der Publizist Gerd Koenen delegitimiert sogar den Marxismus-Leninismus und dessen Imperialismustheorie als »universelle Verschwörungstheorie«.

Nach diesem Denkmuster werden in der Broschüre von der VVB-BdA und Co. die Horrormärchen der Q-Anon-Sekte nahezu in einem Atemzug mit der Auffassung, die NATO sei vorwiegend schuld am Krieg in der Ukraine und der Einfluss extrem rechter Kräfte dort groß, abgehandelt. Das heißt, rechte Mythen und andere Irrationalismen werden mit von marxistischen Linken vertretenen antiimperialistischen Positionen auf den Nenner »Verschwörungsideologie« gebracht – um schließlich einen neuen »antifaschistischen Grundkonsens« zu fordern: die »nachhaltige Distanzierung von Anhänger*innen von Verschwörungserzählungen«. Da der Autor bei deren Definition Wahn und Wirklichkeit in eins setzt, hätte eine Einhaltung dieses »Grundkonsenses« die verheerende Konsequenz, dass objektiv auch unbequeme Wahrheiten über den NATO-(Stellvertreter-)Krieg suspendiert und nahezu jeglicher Protest gegen den infernalen Pakt der deutschen Regierung mit Faschisten unterdrückt würde.

Dass VVN-BdA-Historikerin Maxilene Schneider bereits 2022 die längst bewiesene Behauptung, dass Organisationen wie »Asow«, »Rechter Sektor« etc. extra aufgebaut wurden, als »Agententheorie« abtat, zeigt: Auch Funktionäre der VVN-BdA geben sich dafür her, genau den hilflosen Antifaschismus zu liefern, den der deutsche Imperialismus für seine Ideologien zur Formierung einer kriegstüchtigen Volksgemeinschaft braucht – inklusive der einer »Brandmauer«, hinter der Politiker von CDU bis zur Linken schon lange gemeinsame Sache mit der AfD machen, wenn es um die Durchsetzung stets verleugneter gemeinsamer Interessen geht, zum Beispiel die Verstümmelung des Antisemitismusbegriffs zwecks Rechtfertigung israelischer Verbrechen.


>>>>>
NEUER BEITRAG26.02.2025, 08:49 Uhr
Nutzer / in
arktika

>>>>>

Umpolung auf Antisozialismus

»Sicherlich spielt der Kapitalismus eine Rolle, sicherlich auch antisemitische Ideologien und Verschwörungstheorien. Aber natürlich auch das Männerbündische faschistischer Gruppen, Militarismus und militaristische Ideologien« – allein diese Antwort des VVN-BdA-Kovorsitzenden Florian Gutsche auf die Frage, was die Wurzeln des Nazismus sind, spiegelt eine tragische Verwirrung: Der Kapitalismus als totalitär alle Verhältnisse und Menschen beherrschende Produktionsweise wird auf eine Ebene mit Ideologien gestellt, die er selbst produziert, darunter auch faschistische. Und das Gerede von Faschismus, der von Faschismus kommt, ist nicht bloß Nonsens: »Das ist natürlich eine faschistische Behauptung, eine Kapitulation vor dem Faschismus«, wie Brecht 1935 in seinem Traktat »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit« dem bürgerlich-idealistischen Antifaschismus vorhielt. Seit 1999, als ein Grünen-Politiker den welthistorischen Imperativ »Nie wieder!« als Etikett für die erste offizielle Beteiligung Deutschlands an einem NATO-Angriffskrieg missbrauchen durfte, ist dieser falsche Antifaschismus Praxis geworden und fest in der Staatsräson der Berliner Republik verankert.

Mathias Wörsching, Faschismustheoretiker der VVN-BdA, kritisierte schon vor Jahren »traditionsmarxistische Restbestände«. Er empfahl der VVN-BdA die »neuen« idealistischen Theoretiker, die Faschismus als »Radikalisierung nationalistischer oder auch religiöser Ideologien« auffassen, allen voran Zeev Sternhell. Der israelische Politologe meint, »in vielerlei Hinsicht kann die Geschichte des Faschismus als ein kontinuierlicher Versuch beschrieben werden, den Marxismus zu überarbeiten und eine nationale Form von Sozialismus zu kreieren«. »Neu«? Ähnliche Faschismusinterpretationen finden sich in Friedrich August von Hayeks Bibel des Neoliberalismus, »Der Weg zur Knechtschaft«, von 1944.

Solcher »Antifaschismus« eignet sich vorzüglich als ideologisches Sturmgeschütz gegen die Verdammten dieser Erde. Dass er beim rot-rot-grünen VVN-BdA-Establishment bereits zu Politik geronnen ist, dokumentieren Entgleisungen im Antifa-Magazin nach dem 7. Oktober: Die Vernichtungsdrohungen der von Faschisten durchsetzten israelischen Regierung ausblendend, feierte Markus Tervooren, Landesgeschäftsführer der VVN-BdA Berlin, die Anfeuerungsparolen von Netanjahus Pressure Groups für die Gaza-Massaker – »Peace for the people in Israel – Free Palestine from Hamas – Stop terrorism and fascism – Freedom for all people« – als »sympathische Aktion«. Angeprangert hingegen wurden »linke und antifaschistische Stimmen«, die »den jüdischen Staat, seine Regierung, seine Armee, seine aufgebrachten, leidenden, zutiefst verletzten Menschen reflexartig zur ›Vernunft‹ rufen« und »Kontextualisierung« verlangen.

Wie das Leugnen, Verharmlosen und Verfälschen von »Ukraine-Kennern« der VVN-BdA gegenüber dem »Bandera-Komplex« erweist sich auch der Furor gegen die Kolonisierten lediglich als Symptom eines Antifa-Komplexes geprägt von Opportunismus und Selbstgleichschaltung mit der deutschen Ideologie des Sonderwegs von »Freiheit und Democracy«. Dieser gegenüber ist der hilflose Antifaschismus blind, weil »man in ihr steckt«, wie Wolfgang Fritz Haug damals Adenauers Historikern im Kalten Krieg bescheinigte. Im Rausch der »Zeitenwende« beugt sich der Überbau der VVN-BdA der – um mit Haug zu sprechen –, im Zuge steigender Rechtstendenzen unweigerlich forcierten »Umpolung« dieses bloß formalen Antifaschismus »auf Antisozialismus«. Da ist es kein Wunder, wenn die Agenten des hilflosen Antifaschismus auf ein Buch, in dem dieser durch Untersuchung der Funktion des Bandera-Komplexes mit dem Analysewerkzeug marxistischer Faschismustheorie gegen den Strich gebürstet wird, mit hilfloser Wut reagieren.

* Der Klarname ist der Redaktion bekannt.


Link ...jetzt anmelden!

#VVN
#VVNBdA
#MaxiWunder
#Antifaschismus
#Zeitenwende
#Staatsantifa
NEUER BEITRAG26.02.2025, 09:18 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Und das ist der strategische Kern Kern dessen, was der Klassenfeind hier betreibt: die "bedingungslose Befürwortung des Privateigentums an Produktionsmitteln" (Ellen Brombacher), mithin
#Antisozialismus
#Antikommunismus
NEUER BEITRAG13.03.2025, 17:11 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Ich habe vor knapp éinem Jahr hier bzgl. des Buchenwald-Gedenkens folgendes geschrieben:

"Die Legitimität der Wagner'schen Hausordnung wird (nicht nur al "ja-ja", das könnte man ja taktisch durchaus machen) anerkannt, denn sie wird als eigene Anweisung nach unten verlängert. 1:0 für den Klassenfeind, der diktieren kann, an was Kommunisten denn nun überhaupt noch erinnern dürfen im Zusammenhang mit Faschismus und Krieg! / Eine konfrontative Entscheidung - wir nehmen mit, was für für geboten halten -, wäre die richtige Antwort gewesen, denn sie hätte für uns zwei positive Folgen offengehalten: a) im Falle der Durchsetzung, b) im Falle, daß sich die Wagner-Bande mit einem Bulleneinsatz auf einem Buchenwaldgedenken selbst unmöglich macht. So ist die Lehre nur: Wenn man den Kopf einzieht, darf man als Kommunist machen, was der Klassenfeind erlaubt. ... und das wird dann in der Folge konsequent weniger und weniger. - Nur FN: Das Argument, man würde den Kram ja gar nicht erst reinkriegen, wäre nur eins, wenn im Eingang gründlich gefilzt würde. Das ähnelt bereits der Folge b)!"

Dies wird nun am 80. Jahrestag wiederholt, einem Datum, an dem man mehr, und auch mehr internationaler Beteiligung zu rechnen hat. Ich glaube nicht, daß alle ausländischen Genossen & Kameraden die Wagner-HO kennen, geschweige denn internalisiert haben. Sie geraten nun in die Lage, daß sie nun von den deutschen Genossen & Kameraden keinerlei Unterstützung erhalten, sollten sie mit roten Fahnen oder denen der Int. Brigaden auflaufen. Diese kapitulatorische Linie, die hier vorgeführt wird, ist kein Schuß ins eigene Knie, sondern in den eigenen Kopf. Damit ist die Tradition des kommunistischen Befreiungsgedenkens in Buchenwald selbsttätig beendet worden. Bahnsteigkarten sind nichts dagegen.

Ich dokumentiere mal aus einem Brief von heute und hänge die Einladung an.

Liebe Genossen, liebe Freunde und Gleichgesinnte,

im Anhang erhaltet Ihr die Einladung zum 80 Jahrestag der Selbstbefreiung der Buchenwald-Häftlinge. In vier Wochen werden wir ihrer gedenken.

Wir möchten Euch inständig bitten, bei Eurer hoffentlich zahlreichen Teilnahme die Hausordnung der Gedenkstätte einzuhalten. Wir müssen uns dem beugen, ob es uns gefällt oder nicht, da wir sonst Gefahr laufen, auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald keine Veranstaltungen mehr durchführen zu können. Bei der Anmeldung unseres Gedenkens für den 12. April haben wir betont, dass wir die Hausordnung kennen und respektieren. Also, gestattet ist nur die Symbolik von Überlebendenverbänden. Deshalb werden wir ein rotes Fahnentuch mit einer schwörenden Hand in gelb mitbringen. Dies ist das Symbol des antifaschistischen Widerstandskomitees der DDR, das der Verband der Überlebenden der Konzentrationslager und anderer nazistischer Haftanstalten war und für uns noch ist. Bitte auch keine Druckerzeugnisse mit politischem Inhalt verteilen, denn auch das ist untersagt.

Wendet Euch an [...] oder mich, falls Ihr Fragen habt.

Wer möchte, kann am Thälmann-Denkmal in Weimar Blumen für Teddy niederlegen, denn sein Geburtstag ist am 16. April.

ROTFRONT und "Hoch die Faust!" für die Helden des antifaschistischen Widerstandskampfes!

Trotz alledem!

[...]


Denn man gut, das die Helden des antifaschistischen Widerstands immer nur das gemacht haben, was erlaubt war ....
• PDF-Datei EINLADUNG 80. J. der Selbstbefreiung.pdf
207 KB | application/pdf
...zum Download anmelden.
NEUER BEITRAG30.03.2025, 21:33 Uhr
EDIT: FPeregrin
30.03.2025, 21:34 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

(Deutsche) Imperialistische Hoheit über Antifagedenken Im M&R-Newsletter 2/2025:

Rettung der Vergangenheit

Zur Dialektik des 8.-Mai-Gedenkens nach der Zeitenwende


Susann Witt-Stahl

Es geschah 2004 auf einer Gedenkfeier zum 8. Mai in einem Ehrenhain für jüdische Spanien-Kämpfer in der Nähe von Jerusalem. »Es war nicht unser Fehler, dass wir nicht gewonnen haben«, rief der Kommunist David Ostrowski eine herbe Niederlage ins Gedächtnis, die 1939 nicht zuletzt durch den Verrat der westlichen Demokratien durch Anerkennung des Franco-Regimes herbeigeführt wurde und Hitler den Weg ebnete, wenige Monate später einen Weltenbrand anzuzetteln. »Ich war am 9. Mai in Berlin – ich habe gewonnen«, unterbrach ihn sein Kamerad Salman Salzman mit einer Widerrede.

Diese Episode, die der israelische Filmemacher Eran Torbiner dokumentiert hat, spiegelt die Dialektik des aufgeklärten 8.-Mai-Gedenkens: Es hat das Niederringen der faschistischen Diktatur als welthistorischen Sieg zu feiern und an die vielen trauernd zu erinnern, die dafür ihr Leben lassen mussten und die die bisher verhinderte Erledigung eines welthistorischen Auftrags einklagen – Verhältnisse herzustellen, die keine Barbarei mehr hervorbringen.

Der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus gilt zu Recht als einer der hoffnungsvollsten Momente des 20. Jahrhunderts. »Auf dem Marktplatz haben die Soldaten ein Hitlerbild verbrannt, alle haben gefeiert, lagen sich in den Armen – und ich habe dazu Akkordeon gespielt«, erzählte die einem Todesmarsch aus dem KZ Ravensbrück entkommene Musikerin Esther Bejarano, wie sie in der mecklenburgischen Kleinstadt Lübz das Ende des Naziterrors und Massenschlachtens in Europa erlebte. Vor ihren Augen blitzte damals eine konkrete Utopie auf: Als US-Soldaten und Rotarmisten sich verbrüderten, küssten und gemeinsam den Frieden begrüßten, schien für einen Augenblick alles möglich.

Aber es kam anders. In Westdeutschland sollte aus den Ruinen der alten Ordnung ein Globke-Staat auferstehen und eine Restauration einsetzen. Das Kalkül der Nazi-Funktionseliten, dass sie »im Kampf gegen eine kommunistische Expansion« gebraucht würden, wie es Reinhard Gehlen, ehemaliger Leiter der Abteilung »Fremde Heere Ost« der Wehrmacht und dank US-Kriegsministerium später Chef des Bundesnachrichtendienstes ausdrückte, ging auf. Was in der Bonner Republik nicht zuletzt wegen der Existenz eines Anti-Globke-Staats gebändigt erschien, drängte nach der »Wiedervereinigung« und einer Phase der »Normalisierung« zum Durchbruch: deutsche Kontinuitäten, die sich gegenwärtig während des nächsten »heimlichen Aufmarschs«, wie es in Erich Weinerts antifaschistischem Lied heißt, gegen Russland wieder entfalten. Da sie nichts als Vernichtung und Zerstörung zeitigen können, wieder faschistische Räuberheere loslassen – diesmal unter dem Kommando der »wehrhaften Demokratie« – wird die Manipulation oder Auslöschung der kollektiven Erinnerung an Anfang und Ende des Schreckens des letzten großen imperialistischen Krieges zur Notwendigkeit.

Regressive Dialektik

Traditionell ist Geschichtsrevisionismus das Geschäft der Nationalisten – das gilt bis heute. Je verlogener sie Frieden predigen, desto dreister verbreiten sie revanchistische Narrative, mit denen seit jeher Kriege legitimiert werden: »Ich gehe nicht in die russische Botschaft, um den 8. Mai zu feiern«, erklärte AfD-Kochefin Alice Weidel. »Es wurden so viele auch nicht aufgearbeitete Verbrechen an der deutschen Bevölkerung begangen. Und ich finde, da sollten wir auch mal Gedenktage einführen«, so Weidel weiter, die die Zerschlagung Hitlerdeutschlands vor allem als »Niederlage« für ihre »Heimat« betrachtet. Solche Gesinnung fällt in die Vergangenheitsbewältigungsstrategie des postnazistischen Deutschlands zurück, die Erinnerung nur als Instrument der Aufrechnung der eigenen Schuld gegen die der Feinde des »Dritten Reichs« zuließ – in der Hoffnung, das Sühnekonto auf null bringen zu können.

Das Establishment der »wehrhaften Demokratie« empört sich über derartigen Zynismus und die »Schuldkult«-Rhetorik der Reaktion. Faktisch paktiert es aber längst mit dieser in seiner Gedächtnispraxis: Seit 2022 sind am 8./9. Mai an den Gedenkstätten der Hauptstadt nicht nur russische Symbole auf Fahnen, Kleidungsstücken etc. untersagt, sondern auch sowjetische, ebenso die Lieder des Großen Vaterländischen Krieges. Damit werden die Befreier vom Hitlerfaschismus, die einen Vernichtungsfeldzug abzuwehren und mit 27 Millionen Toten die Hauptlast zu tragen hatten, entehrt und ihre historischen Verdienste in den Staub getreten – aber auch der aggressive Antikommunismus als Feindstrafrecht exekutiert, der nach 1945 sorgsam bewahrt wurde: »Er ist die offizielle staatsbürgerliche Haltung, und in ihm haben sich ideologische Elemente des Nazismus mit denen des kapitalistischen Westens amalgamiert«, bescheinigten Margarete und Alexander Mitscherlich 1967 in ihrer Studie »Die Unfähigkeit zu trauern« der Kollektivpsyche im Globke-Staat und stellten fest, dass das Bild vom Bolschewisten aus dem »Dritten Reich« in diesem »kaum korrigiert« worden war. Und so brechen sich im Zuge der Anstrengungen für einen dritten großen Waffengang gen Osten Atavismen ungehindert Bahn: Das jegliche rationale Gründe entbehrende Verbot sogar des Zeigens des Siegesbanners, das Rotarmisten am 1. Mai 1945 auf dem Reichstag gehisst hatten, muss nicht zuletzt als Bemühung der Eliten der einstigen »Herrenrasse« verstanden werden, wenigstens auf der erinnerungskulturellen Ebene die Demütigung der Kapitulationsniederlage zu tilgen, die ihr ausgerechnet durch »den bolschewistischen Untermenschen« bereitet worden war.

Ein effizienteres ideologisches Verdrängen als die Verbannung der als Täter stigmatisierten Befreier aus der öffentlichen Wahrnehmung ist in einer Gesellschaft im Stande reaktionärer Aufarbeitung der Vergangenheit die Verkehrung kategorischer Imperative: Das »Nie wieder!«, das seit Jahrzehnten inflationiert, enthistorisiert und von einer Gedenkkulturindustrie banalisiert wurde, ist heute dermaßen sinnentstellt und -entleert, dass es mühelos mit einer völlig anderen Bedeutung aufgeladen werden kann. »All das alte Böse, das das moderne Russland zurückbringt, wird besiegt werden, so wie der Nazismus besiegt wurde« – es sind auch solche von der »Tagesschau« veröffentlichten pathischen Projektionen, mit denen Wolodimir Selenskij zum 8. Mai 2023 deutsche Schuld in Russland endlagerte und die den ukrainischen Präsidenten zum Liebling hiesiger Qualitätspresse aufsteigen ließen. Damit lässt sich hervorragend Propaganda gegen Antifaschisten und das Friedenslager, die »Putler-Knechte« und »Chamberlains«, orchestrieren, bis auch diese den »Irrtum« eingestehen, der dem Magazin Der Spiegel nicht zufällig zum 8. Mai 2022 auffiel: »Nie wieder Krieg ist die falsche Lehre«, lautete die infernale Synthese der – den neuen »Sachzwängen« des deutschen Imperialismus entspringenden – regressiven Dialektik der Revision der »Niederlage« und Enttabuisierung der Wiederholung der Verbrechen, die diese herbeiführten.


>>>
NEUER BEITRAG30.03.2025, 21:36 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

>>>

Linke Affirmation deutscher Kontinuitäten

Die gesellschaftliche Linke vermag der Pervertierung des 8.-Mai-Gedenkens nur wenig entgegenzusetzen. Bis in die 1980er-Jahre, als sie zumindest zum Teil noch historisch-materialistisch geerdet den Faschismus als gewalttätigste Form der Kapitalherrschaft erkannte und somit auch die Tragweite des historischen Auftrags »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln« verstand, reflektierte sie die Dialektik des 8. Mai in Feierlichkeiten, die von revolutionärer Hoffnung und schonungsloser Bewusstmachung schmerzlichster Verluste getragen war. Die Forderung des ehemaligen Widerstandskämpfers Peter Gingold, das Gedächtnis an »das Morgenrot der Menschheit, diesen Jubel« (inklusive der Tatsache, dass letzterer in Deutschland ausblieb) am Tag der Befreiung zu bewahren, wurde weitgehend erfüllt; ebenso haben Antifaschisten die von der deutschen Restauration verordnete Grabesruhe des Vergessens mit der lauten Mahnung durch Ehrung der gefallenen (kommunistischen) Kämpfer gestört.

Seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus gehen wichtige Koordinaten des aufgeklärten Gedenkens verloren. Manche Antifas lösen dessen Dialektik falsch in Richtung Feiern auf und reduzieren es auf Partylaune und Hedonismus mit fetten Technobeats und Schaumwein – Koma statt Erinnerung. Oftmals kommt der historische antifaschistische Widerstand schon gar nicht mehr vor: »Lasst uns bei guter Musik den Tag der Befreiung und uns für unseren Einsatz feiern«, hieß es in einem Aufruf zur 8.-Mai-»Nachttanzdemonstration«. Nicht wenigen entfällt im narzisstischen Rausch am »Sieg« über den Hitlerfaschismus sogar, dass es gar nicht sie waren, die ihn errungen haben. Und so begreifen sie auch nicht, wenn manche (politische) Nachkommen derer, die dafür geblutet haben, nicht in ihr triumphbesoffenes »Wer nicht feiert, hat verloren«-Gegröle einstimmen.

Andere nutzen die Gunst der Gedenkstunde, um dem zu huldigen, das sie angeblich bekämpfen: Der Slogan »Bomber Harris, do it again!« ist nur scheinbar ein radikaler Einspruch gegen die »Bombenholocaust«-Larmoyanz der Neonazis. Beide vergießen Tränen über den Krieg, die einen nur wegen der Schmach, dass er verloren ging, die anderen nur vor Freude, dass er gewonnen wurde – keiner von ihnen aber darüber, dass er überhaupt stattgefunden hat, obwohl Auschwitz ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Die Lust an Krieg, Zerstörung, Gräueln ist integraler Bestandteil der nihilistischen Weltanschauung der Faschisten und allein deshalb mit Antifaschismus unvereinbar. Wer sie am 8. Mai oder verwandten Gedenktagen auslebt und sich an Bildern vom Phosphorregen über Dresden labt, beflügelt geschichtsrevisionistische Lügen: Die Nazis hätten den Krieg nicht gewollt, ist eine davon; in Deutschland habe es nur Täter gegeben eine andere, die in eine fatale Exkulpierung münden kann: Wo es heute alle waren, wird es morgen keiner gewesen sein.

Während die einen Linken noch die Ächtung des Krieges als Ballast betrachten, strecken andere ihr 8.-Mai-Gedenken schon längst nach der Ideologiedecke des kriegstüchtigen Deutschlands als neue militärische Führungsmacht Europas: »Wichtig ist nur, nicht zu vergessen, dass auch die Befreiung am 8. Mai mit Waffengewalt geschah und dass die Ukrainer:innen jedes Recht haben, sich zu verteidigen. Das haben sie auch getan, als sie von Hitlerdeutschland überfallen wurden«, warb 2023 in Sachsen ein Bündnis, an dem unter anderen das Aktionsnetzwerk »Leipzig nimmt Platz« beteiligt war, für eine Demonstration mit einer Gleichsetzung von Ereignissen, zwischen denen ein fundamentaler Unterschied besteht: Damals kämpften »die Ukrainer:innen« mit der Sowjetunion in einem antifaschistischen Krieg gegen Hitlerdeutschland, sofern sie nicht der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten, seinen Verbündeten, angehörten. Und sofern sie nicht zur unterdrückten antifaschistischen Opposition gehören, kämpfen sie heute in einem Stellvertreterkrieg für Deutschland und die NATO-Osterweiterung – unter ihnen nicht wenige, die sich in die Tradition der Nazikollaborateure von damals stellen. Wo Antifaschismus für die Legitimierung imperialistischer Kriege instrumentalisiert wird, da darf der Antikommunismus nicht fehlen: Unter denen, die den 8. Mai feiern, seien »häufig linke Antisemiten oder Stalinisten, die sich freuen, politisch korrekt Stalin loben zu können, aber niemals ein positives Wort in Richtung Westen sagen würden«, enthüllte Jungle World schon vor Jahren. »Bei Wodka und Ernst Busch wird die Rote Armee zum einzigen erwähnenswerten Befreier.«

Was alle diese 8.-Mai-Narrative vereint: Alle fördern – einige mehr, andere weniger – die Affirmation deutscher Kontinuitäten. Wer den Feiertag zur Konsumware verdinglicht, als günstige Gelegenheit für die Fetischisierung kriegerischer Gewalt oder die Verbreitung der Kollektivschuldthese benutzt, verspottet und verleugnet objektiv diejenigen, die den höchsten Preis gezahlt haben: die im Kampf ums Ganze, einen Grundsatz des Sozialismus, gefallenen Antifaschisten. Häufig werden die Mitglieder von Widerstandsorganisationen wie der »Roten Kapelle« oder der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe nur noch als das akzeptiert, was sie am wenigsten sein wollten: Opfer.


>>>
NEUER BEITRAG30.03.2025, 21:38 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

>>>

Auslöschung der marxistischen Erinnerung

Revolutionäre Erinnerungskultur, die getöteten Genossen gewidmet ist, halte vor allem »die Unsterblichkeit ihres Ideals« hoch, »das in die roten Fahnen derer eingeschrieben ist, die ihnen gedenken«, merkt der italienische Historiker Enzo Traverso in Anlehnung an Walter Benjamins geschichtsphilosophische Thesen an. Heute gebe es keine wirkmächtige politische Bewegung mehr, deren »lebendiger Fluss« den Schmerz des Verlusts von Kämpfern sublimieren könnte. Das ist ein bitterer, weil zutreffender Befund. Übrig blieb nur die Sozialdemokratie, deren zentraler Wesenszug Opportunismus ist. Sie sollte der Arbeiterklasse erneut »die Sehne der besten Kraft zerschneiden« und den Kampfeswillen neutralisieren, der sich, wie Benjamin festhielt, nur »am Bild der geknechteten Vorfahren nähren« kann, das sie durch die Vision von den »befreiten Enkeln« ausgetauscht hat.

Dieses Vergessen forciert ein invalider Antifaschismus, der heute zum Vehikel des Massenbetrugs einer sich zum Angriffskrieg hochrüstenden »wehrhaften Demokratie« zu verkommen droht: Von oben gelenkt, nur gegen »ausgemusterte« Nazis und wegen seines Abnickens von »Kanonen statt Butter«-Krediten auf der Sonnenseite einer »Brandmauer« geduldet – die es in der BRD nie gegen die Faschisten, sondern immer nur gegen die antikapitalistische Linke, Antiimperialisten und das Friedenslager gab und geben wird.

Dieser entwaffnete Antifaschismus ist das Ergebnis der bis heute unterschätzten welthistorischen Niederlage von 1989/90. Sie erweist sich auch mental als verheerend, weil die Linke sie kampflos erlitten hat. Es gibt keine in (konterrevolutionären) Schlachten heroischen Besiegten – aus Zerfall und Depression kann kaum eine Erinnerungskultur entstehen, die revolutionäre Hoffnungen wachhält. Der Kollaps des Realsozialismus hat eine Paralyse und Amnesie ausgelöst. »Die marxistische Geschichtskonzeption implizierte eine Erinnerungsvorschrift: Man musste die vergangenen Ereignisse ins historische Bewusstsein einschreiben, damit sie in die Zukunft projiziert werden konnten. Es handelte sich um eine ›strategische‹ Erinnerung an vergangene Kämpfe, eine auf die Zukunft orientierte Erinnerung«, so Enzo Traverso. Durch die Zeitenwende von 1989/90 sei »diese Dialektik zwischen Vergangenheit und Zukunft«, die die Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen durchzieht, beschädigt worden, und das Verschwinden der Utopien habe »zur fast vollständigen Auslöschung der marxistischen Erinnerung« geführt.

Revolutionäre Melancholie

Diese Krise der Linken und der damit verbundenen Trauerbewältigung eröffnet aber auch die historische Chance auf »Wiederentdeckung einer melancholischen Geschichtsrevision als Eingedenken«, wie Traverso es ausdrückt – ein Akt der Rettung der Vergangenheit für die Zukunft. Wozu orientierungslose Antifaschisten, unter denen auch eine Unfähigkeit zu trauern herrscht, nicht in der Lage sind – das kann die Kunst ihrer Ahnen ganz im Sinne Benjamins: ein Eingedenken erzeugen, das »das Unabgeschlossene (das Glück) zu einem Abgeschlossenen und das Abgeschlossene (das Leid) zu einem Unabgeschlossenen macht«. Die Kraft, dieses in Gang zu setzen, schöpft sich aus der Ästhetisierung der durch Niederlagen erlittenen Qualen und Schrecken, die keinen Rückzug ins innere Exil gestatten. Ganz im Gegenteil: Das, was Traverso auch als »revolutionäre Melancholie« bezeichnet, »betrachtet die mit den verlorenen Schlachten verknüpften Tragödien als Last und eine Schuld, die auch das Versprechen einer Wiedergutmachung in sich tragen« und bleibt nicht in der »Aus der Geschichte lernen«-Phrase bürgerlicher Bildungspädagogik stecken – es pocht auf die Veränderung der Realität.

Wer Alfred Hrdlickas Bilderzyklus »Plötzenseer Totentanz« mit dem Menschenschlachthaus der Nazis in Berlin als Motiv, in dem Angehörige des Widerstands an Fleischerhaken aufgehängt wurden, auf sich wirken lässt, erahnt zumindest das Potenzial von Kunst, ein Eingedenken des Kampfes im Subjekt auszulösen, der nicht eingestellt wird, solange der historische Auftrag, den die besiegten Antifaschisten nicht mehr ausführen konnten, erledigt ist. Gemeint ist ein glühender Wille zum Kampf, der die Dialektik des 8.-Mai-Gedenkens vollständig begreift und ihr Rechnung trägt, wie es David Ostrowski in seiner Erwiderung auf Salman Salzmans Meldung des Sieges über den Faschismus verlangt hat: »Wir persönlich haben gewonnen, weil wir noch am Leben sind, aber wir vergessen nicht das Ereignis, das unserer Meinung nach wichtig war, nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt«, erinnerte er daran, dass noch immer das System herrscht, das damals eine Katastrophe angerichtet hat und unaufhörlich weiter Barbarei produziert

Dass Kunst sogar die Selbstentfremdung von Antifaschisten kritisch eingedenken kann, denen es nicht gelingt, das aus historischen Brüchen und Traumata wie 1989/90 entstandene »Niemandsland« zu überwinden – und die eines Tages womöglich gar nichts mehr vom 8. Mai wissen (wollen) –, hat Anna Seghers bewiesen: »Wenn man kämpft und fällt, und ein anderer nimmt die Fahne und kämpft und fällt auch, und der nächste nimmt sie und muss dann auch fallen, das ist ein natürlicher Ablauf, denn geschenkt wird uns gar nichts«, heißt es in ihrem Roman »Das siebte Kreuz«. »Wenn aber niemand die Fahne mehr abnehmen will, weil er ihre Bedeutung gar nicht kennt?«


Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG06.04.2025, 16:46 Uhr
EDIT: FPeregrin
06.04.2025, 16:53 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

(Deutsche) Imperialistische Hoheit über Antifagedenken Und das ist dann der staats-"antifaschistische" Nährbrei für den demütig-kriegtüchtigen Untertan - tagesschau heute:


Gedenken an NS-Zeit

"Wir müssen am Geschichtsbewusstsein arbeiten"

Stand: 06.04.2025 14:11 Uhr

Mit einem Festakt ist an den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald 1945 erinnert worden. Das Gedenken an die Zeit des Nationalsozialismus steht vor einem Wandel. Wie kann es weitergehen?

Von Dagmar Weitbrecht, MDR

Stefanie Middendorf würde den Begriff "erinnern" gern beiseitelassen. Erinnerung könne es nur an etwas selbst Erlebtes geben, sagt die Historikerin der Universität Jena. Heute setzt sich die vierte oder fünfte Generation mit dem Nationalsozialismus auseinander.

Auch Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, tut sich mit dem Wort "Erinnerung" schwer. Er meint: "Wenn ich dann sage, erinnert euch, dann sieht man förmlich den erhobenen Zeigefinger. Das wirkt nicht unbedingt lernfördernd für junge Menschen."

Beide Wissenschaftler sind sich einig, dass es neue Konzepte für die Auseinandersetzung mit dem Thema braucht. Wagner wünscht sich "eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit dem Lernen, wenn nicht aus, aber dann zumindest an der Geschichte". Middendorf stellt die Frage, welches Wissen es über die Vergangenheit brauche, um mit gegenwärtigen Problemen oder Erfahrungen umzugehen.

Nationalsozialismus oft noch Tabuthema

Die Antworten auf Wagners Fragen können bis heute unbequem sein. In vielen Familien sind der Nationalsozialismus und die Rolle der Oma oder des Opas Tabuthemen. Doch es sei zu fragen:

"Warum wurden Menschen zu Opfern, wer hat sie zu Opfern gemacht? Denn die wurden ja nicht quasi automatisch zu Opfern, sondern es waren handelnde Personen, die sie zu Opfern gemacht haben. Und wenn das handelnde Menschen waren, muss man fragen, was diese Menschen eigentlich angetrieben hat - die Täter und Täterinnen, die Mittäter und Mittäterinnen, aber auch die Profiteure der Verbrechen."

Historikerin Middendorf beobachtet, dass "gerade in Familien alternative Geschichten erzählt werden, die nicht der Realität entsprechen". Oder es werde etwas, was überwunden worden sei oder zumindest dafür gehalten wurde, neu erzählt. Im Klartext seien das Aussagen wie: "Im Nationalsozialismus ist nicht alles schlecht gewesen" oder "Mein Opa hat niemanden erschossen".

Pflichtbesuche für Schulklassen?

Für pädagogisch betreute Gedenkstättenbesuche in Buchenwald bei Weimar oder Mittelbau-Dora bei Nordhausen gibt es für Schulkassen inzwischen Wartelisten. Schon allein deshalb lehnt Wagner Pflichtbesuche ab, wie es sie bis 1989 gegeben hat. Er geht davon aus, "dass nicht mangelndes Wissen das Hauptproblem ist, sondern, dass das vorhandene Wissen nicht geschichtsbewusst angewandt wird, also dass die Gegenwartsbezüge nicht gestellt werden".

In dem Augenblick, wenn die Fragestellung erweitert und der Gegenwartsbezug gesucht wird, machten viele Jugendliche dicht. "Also wir müssen am Geschichtsbewusstsein arbeiten und eben nicht nur Fakten vermitteln", sagt Wagner. "Geschichtsbewusstsein ist etwas anderes als Faktenvermittlung, sondern es ist das Bewusstsein dafür, dass mein eigenes Ich historisch verankert ist, dass unsere ganze Gesellschaft historisch verankert ist".


>>>
NEUER BEITRAG06.04.2025, 16:52 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

>>>

Mit Wissen in die Gegenwart schauen

Middendorf, die an der Universität Jena auch Geschichtslehrer ausbildet, sieht schon die Vermittlung von Geschichtswissen als wesentlichen Punkt. Sie hält es aber außerdem für notwendig, mit dem Wissen zur NS-Geschichte in die Gegenwart zu schauen. Beispielsweise auf das "Kippen" von Gesellschaften:

"Das passiert ja in den 30er-Jahren nicht nur in Deutschland, sondern es passiert in vielen europäischen Gesellschaften. Die geraten in diesen Sog, wie wir ihn gegenwärtig vielleicht auch beobachten können. Grenzen des Sagbaren werden verschoben, autoritäre Figuren tauchen auf, ein charismatischer Führer. Der mobilisiert die Massen. Aber das ist viel kleinteiliger und da passiert sehr viel, wo Menschen sich selbst auch aktiv in den Dienst dieser Regime stellen."

Middendorf verweist darauf, dass es Gesellschaften geschafft haben, sich diesem Sog zu widersetzen und Demokratien erhalten haben.

Aktuelle Weltlage forciert die Gedenkfrage

Das Ende der Zeitzeugenschaft werde einen fundamentalen Wandel auch für die Erinnerungskultur bedeuten, sagt Stiftungs-Direktor Wagner. Das Gedenken zum 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager in Thüringen und des Endes des Zweiten Weltkrieges finde in schwierigen Zeiten statt. Es schwinde das Bewusstsein dafür, wie fundamental die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur für die demokratischen Strukturen sei.

Auch auf der internationalen Bühne zeige sich die Problematik. Wagner sagt mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und auf die USA unter Präsident Donald Trump: "Vielleicht ist das wirkliche Ende der Nachkriegsordnung nicht 1990, sondern jetzt gekommen, weil die liberale transatlantische Nachkriegsordnung vor dem Ende steht."


Link ...jetzt anmelden!

Das mein Opa geschossen haben könnte, wird zum Kern das Gedenkens. Wer denn die Profiteure denn nun wirklich waren, ... und daß es sowas wie Widerstand gegeben haben könnte ... Fehlanzeige.

>>>
NEUER BEITRAG06.04.2025, 16:59 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

>>>

Folglich waren es dann auch die "amerikanischen Truppen", die Buchenwald befreit haben:


Festakt in Weimar

Wulff warnt vor Erstarken des Rechtspopulismus

Stand: 06.04.2025 14:37 Uhr

Am 11. April 1945 sind die NS-Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora durch US-Truppen befreit worden. Daran wurde und wird am Sonntag in Weimar erinnert - mit einer Festveranstaltung am Vormittag in der Weimarhalle und einem Gedenken am Nachmittag in der KZ-Gedenkstätte auf dem Ettersberg.

Von MDR THÜRINGEN

Mit einem Festakt ist am Sonntagvormittag in Weimar an die NS-Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 80 Jahren erinnert worden.

Wagner: Erinnerung an das Grauen weitertragen

Bei der Veranstaltung in der Weimarhalle, an der mehrere KZ-Überlebende und Nachkommen von Überlebenden aus Israel, Polen, Frankreich,, Rumänien und Belarus teilnahmen, forderte der Direktor der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, die Erinnerung an das Grauen der Konzentrationslager an alle folgenden Generationen weiterzutragen. Die Gesellschaft müsse sich allen Formen der Holocaust-Verleugnung, des Antisemitismus oder auch der Hetze gegen Muslime und andere Religionsgemeinschaften entgegenstellen. Dieser Tag sei nicht nur ein Tag des Gedenkens, sondern auch ein Tag des Nachdenkens , was die Lehren aus den Nazi-Verbrechen von damals für heute bedeuteten, sagte Wagner.

Voigt: Hochkultur macht nicht immun gegen Barbarei

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt erinnerte daran, dass das Lager Buchenwald in unmittelbarer Nähe der Stadt Weimar gebaut wurde. Jener Stadt, die als Ort der deutschen Klassik und des Humanismus gilt. Auch Hochkultur und humanistische Bildung machten nicht immun gegen Barbarei. Oftmals sei es vom Einen zum Anderen nur ein kleiner Schritt.

Wulff: Völkische und ausgrenzende Rhetorik der AfD

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff warnte in seiner Rede vor einem Erstarken des Rechtspopulismus. Die völkische und ausgrenzende Rhetorik etwa der AfD sei geeignet, den Boden für eine neue Barbarei zu bereiten. Wulff forderte zum aktiven Engagement für die Demokratie auf und dazu, sich Menschlichkeit zu bewahren.

"Aufgrund der Verrohung und der Radikalisierung und eines weltweiten Rechtsrucks kann ich mir inzwischen - und das macht mich beklommen - deutlicher vorstellen, wie das damals geschehen konnte." (Altbundespräsident Christian Wulff)

Am 11. April 1945 hatten amerikanische Truppen das KZ Buchenwald befreit und fanden dort noch 21.000 überlebende Häftlinge vor. In Buchenwald waren während der NS-Zeit insgesamt fast 280.000 Menschen inhaftiert. Jeder fünfte von ihnen fand den Tod.

MDR (dr), dpa, epd

Link ...jetzt anmelden!
gehe zu Seite:1234
• Schau mal: ziemlich ähnliche Diskussionen in den www.secarts.org-Foren
"Radikalenerlaß" - neue Blüte
2
Scheint für die Herrschenden mal wieder nötig zu sein - trotz (oder wegen?) einiger juristischer Schlappen in den letzten Jahren. Und kommt dann vielleicht auch etwas hipper daher als der alte, der doch etwas muff...mehr arktika 19.09.2025
arktika 11.08.2025
NEU Vom "Ukrainekrieg" zu Weltkrieg III
21
In diesem Sinne ein interessanter Artikel von Dmitri Trenin, Direktor des Instituts für militärische Weltwirtschaft und Strategie an der Higher School of Economics Research University, am 19. Juli auf RTdeutsch: ...mehr arktika NEU 29.12.2025
arktika NEU 29.12.2025
arktika NEU 29.12.2025
NEU Dt. Imp. an der inneren Nahost-Front
204
Die Rechnung "Palästina-Solidarität = Antisemitismus" war schon immer eine sachlich wie intellektuell unzulässige Zusammenschieberei, zu der auch ich selbst sehr viel zu oft die Schnauze gehalten habe. Jetzt erle...mehr FPeregrin NEU 18.01.2026
Lars NEU 18.01.2026
FPeregrin NEU 18.01.2026
Dt. Imp.: Exekutiver Rechtsnihilismus
11
Zur Propaganda der Konterrevolution gehörte die Behauptung, die Deutsche Demokratische Republik sei ein "Unrechtsstaat" gewesen. Wie immer wir das sehen - natürlich ist das krimineller Blödsinn -, wie haben wir d...mehr FPeregrin 05.12.2025
arktika 04.12.2025
arktika 04.12.2025
Die Bombenhölle von Stalingrad - 23. August 1942
Von Wladislaw Sankin Die Bombenhölle von Stalingrad – woran am 23. August erinnert werden sollte Zum Gedenken an die Opfer dieses Angriffs wird auch an diesem Tag Wolgograd in Stalingrad unbenannt: Am 23. ...mehr arktika 04.09.2025
NEU Ukraine: "Dummy" für die NATO
14
Noch 'n Ukraine-Thread ... Schon wieder! ... Meines Erachtens ist es sinnvoll, diesen Thread aufzumachen und ihn im Forum 'Imperialismus' aufzumachen, da die Ukraine ja letztlich nur ein Spielball u. ein Spielgrund...mehr arktika NEU 27.12.2025
arktika 20.05.2025
arktika 19.11.2024