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Militarisierung der Arktis
  [1 pic] begonnen von arktika am 29.01.2023  | 11 Antworten
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NEUES THEMA29.01.2023, 18:20 Uhr
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arktika

• Militarisierung der Arktis Militarisierung der Arktis: Wer betreibt sie, welche Auswirkungen hat sie und natĂŒrlich, was sind die Ziele? Und wer wird die Auswirkungen erdulden mĂŒssen? Denn auch wenn viele sich unter Arktis nur Eisberge, Wale und EisbĂ€ren vorstellen (nein, die Pinguine sind zwar sĂŒĂŸ + niedlich, kommen aber dort eben nicht vor, sondern viiiiel weiter sĂŒdlich!), auch Teile der asiatischen und nordamerikanischen Landmasse und sogar "unserer" europĂ€ischen fallen unter diesen Begriff. Und da leben Menschen! Und die ÜbergĂ€nge zur Subarktis sind sowieso fließend.

WÀhrend Norwegen schon seit langem zur NATO zÀhlt (nicht aber zur EU!), ist die Situation in Schweden und Finnland umgekehrt, sie sind beide EU-Mitglieder - Schweden aber ohne den Euro als WÀhrung -, jedoch militÀrisch zwar schon eingebunden, aber offiziell noch "neutral", haben aber ihre Mitgliedschaft jedoch schon beantragt (es ist eben alles Putins Schuld).
FĂŒr die große Mehrheit der Menschen im Norden dieser beiden LĂ€nder wird das nichts Gutes bedeuten, besonders negativ dĂŒrfte sich diese Militarisierung dabei - wieder einmal - gegen die indigene Bevölkerung der LĂ€nder richten, gegen die SĂĄmi/SamInnen.

Dazu gibt es eine Schwerpunktseite in der jW vom 25. Januar:

Von Gabriel Kuhn

Indigene Bevölkerung Europas
SĂĄmi zwischen den Fronten
NATO-Eintritt Schwedens und Finnlands fĂŒr indigene Bevölkerung ein Problem. Vertreter um Frieden bemĂŒht


Die Sorgen wurden frĂŒh artikuliert. Nur einen Tag nachdem Schweden und Finnland am 18. Mai 2022 ihren Antrag auf NATO-Mitgliedschaft eingereicht hatten, erklĂ€rte Per-Olof Nutti, Sprecher des samischen Parlaments in Schweden, einem Reporter des schwedischen Fernsehens, dass »NATO-Übungen einen großen Einfluss« auf seine Arbeit haben werden. Mehr als ein halbes Jahr spĂ€ter wurde diese EinschĂ€tzung auch im UN-Menschenrechtsrat prĂ€sentiert. AnlĂ€sslich eines Seminars zu den »Auswirkungen der Militarisierung auf indigene Gesellschaften« erklĂ€rte dort Rune Fjellheim, SachverstĂ€ndiger des Samischen Rates, dass »die Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands in der NATO zu mehr militĂ€rischen Einrichtungen, Übungen und AktivitĂ€ten in SĂĄpmi« fĂŒhren werde.

Die Såmi sind die einzig offiziell anerkannte indigene Gesellschaft in der EU. Als Såpmi bezeichnen sie ihr traditionelles Siedlungsgebiet. GegenwÀrtig wird die samische Bevölkerung auf ungefÀhr 100.000 Menschen geschÀtzt, die Mehrheit davon lebt in Norwegen. Die samische Gemeinde auf der russischen Kola-Halbinsel ist mit rund 2.000 Angehörigen die kleinste.

Die angebahnte NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands beschĂ€ftigt die samische Gesellschaft aus mehreren GrĂŒnden. Zum ersten ist die militĂ€rische PrĂ€senz in SĂĄpmi seit Jahrzehnten stark. Vor allem WinterĂŒbungen werden hier regelmĂ€ĂŸig durchgefĂŒhrt. Im NATO-Mitgliedsland Norwegen gibt es jede Menge feste militĂ€rische Einrichtungen. Schon jetzt bestĂ€tigen Berichte aus der Region die BefĂŒrchtung, dass eine NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands diese MilitĂ€rprĂ€senz weiter verstĂ€rken wĂŒrde. Es wird eine höhere Frequenz an MilitĂ€rflĂŒgen und Truppenbewegungen beobachtet, und im nordschwedischen Nationalpark Abisko wurde der vom schwedischen MilitĂ€r frequentierte Hubschrauberlandeplatz aufgerĂŒstet.

Die militĂ€rische AufrĂŒstung in der Region bleibt nicht auf SĂĄpmi beschrĂ€nkt. Es gibt einen Kampf um die Kontrolle der Arktis. Die ist reich an Rohstoffen (Metalle, Erdöl, Erdgas). Durch die Eisschmelze öffnen sich neue Seewege, MilitĂ€rbasen haben große strategische Bedeutung. In SĂĄpmi protestieren samische Aktivisten immer wieder gegen Bergwerksbauten, Eisenbahnprojekte und MilitĂ€rĂŒbungen, die negativen Einfluss auf die traditionelle Lebensweise der SĂĄmi haben, deren materielle Grundlage Jagd, Fischfang und Rentierhaltung sind.

Was die NATO-BeitrittsantrĂ€ge von Schweden und Finnland betrifft, machen die VerhĂ€ltnisse an der 1.340 Kilometer langen finnisch-russischen Grenze besondere Sorgen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs konnten samische Rentierhalter jahrzehntelang die Grenze ungehindert ĂŒberqueren, um entlaufene Rentiere einzufangen und Herden umzuleiten. Eine Militarisierung der Grenze wĂŒrde dem ein Ende setzen und die Rentierhalter in ökonomische BedrĂ€ngnis bringen.

Vertreter der SĂĄmi betonen immer wieder, dass sie die Notwendigkeit nationaler Verteidigungspolitik respektieren. Als die deutsche Wehrmacht 1944 aus Norwegen abzog, legte sie die nördlichste Provinz des Landes, die mehrheitlich von SĂĄmi bewohnte Finnmark, in Schutt und Asche. Der ErzĂ€hlung zufolge blieb auf dem Gebiet, das grĂ¶ĂŸer als DĂ€nemark ist, eine einzige Kirche erhalten. Die norwegische Regierung hatte ursprĂŒnglich nicht einmal PlĂ€ne, die abgelegene Provinz wieder aufzubauen. Der Wiederaufbau verdankte sich einzig der Eigeninitiative der lokalen Bevölkerung.

Frieden ist ein zentrales Thema in der samischen Kultur. Der bekannte samische Dichter Nils-Aslak ValkeapÀÀ wurde nie mĂŒde zu betonen, dass es in der samischen Sprache kein Wort fĂŒr »Krieg« gebe. Dass SĂĄmi im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen NATO-LĂ€ndern und Russland zum Kampf gegeneinander gezwungen werden könnten, ist fĂŒr viele Bewohner SĂĄpmis eine schrecklich Vorstellung.

Aber schon jetzt haben die geopolitischen Entwicklungen negative Auswirkungen auf die innersamischen Beziehungen. Aufgrund der gegen Russland verhĂ€ngten Sanktionen sowie unterschiedlicher Bewertungen des Krieges in der Ukraine nehmen zur Zeit keine samischen Organisationen aus Russland an Sitzungen des 1956 gegrĂŒndeten Samischen Rates teil. Dieser ist das wichtigste politische Gremium der samischen Gesellschaft und bemĂŒhte sich nach Ende des Kalten Krieges um die Integration der in Russland lebenden SĂĄmi. Doch, wie der indische Historiker Vijay Prashad auf der Website des Sozialforschungsinstituts The Tricontinental anmerkte: »In der Arktis wehen wieder die Winde des Kalten Krieges.«


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#Sami
NEUER BEITRAG29.01.2023, 18:22 Uhr
EDIT: arktika
29.01.2023, 18:23 Uhr
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arktika

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Hintergrund: AufrĂŒstung in Nordeuropa

Seit Jahren arbeiten die militĂ€rischen KrĂ€fte des NATO-Mitgliedslandes Norwegen mit denen der NachbarlĂ€nder Schweden und Finnland eng zusammen. Das bedeutet auch, dass NATO-Truppen lĂ€ngst auf schwedischem und finnischem Boden Übungen durchfĂŒhren, nicht zuletzt im Kontext multinationaler Großmanöver wie »Cold Response« oder der »Arctic Challenge Exercise«. Die betreffenden NATO-Einheiten kommen dabei nicht allein aus Norwegen. Wer außerhalb der Touristensaison im Norden Schwedens auf einer der grĂ¶ĂŸeren Campinganlagen eine Unterkunft buchen will, wird oft abgewiesen. Alle HĂŒtten sind vom US-MilitĂ€r belegt. Was dieses dort unternimmt, darf aus GrĂŒnden nationaler Sicherheit nicht mitgeteilt werden. Zudem dient das Raumfahrtzentrum der Swedish Space Corporation in Kiruna als Basis fĂŒr Geoengineering-Experimente. Im MĂ€rz 2021 konnten samische Proteste eine grĂ¶ĂŸere Testserie verhindern.

Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine werden MilitĂ€ranlagen nicht nur in SĂĄpmi ausgebaut, sondern auch in der gesamten arktischen Region. Das NATO-Mitgliedsland DĂ€nemark rĂŒstet auf den FĂ€röern auf und in Grönland, wo auch die USA aktiv sind. Der LuftstĂŒtzpunkt Thule, den die US-Luftwaffe dort seit 1951 betreibt, soll mit vier Milliarden US-Dollar modernisiert werden. Parallel werden grönlĂ€ndische HĂ€fen umgebaut, um US-Kriegsschiffe beherbergen zu können. Das sind Projekte, von denen die Öffentlichkeit Kenntnis hat. Zwischen 1958 und 1966 betrieb das US-MilitĂ€r auf Grönland eine MilitĂ€rbasis, das »Camp Century«, im geheimen, um Atomwaffen zu installieren. Nicht einmal die dĂ€nische Regierung war zur GĂ€nze in die AktivitĂ€ten eingeweiht. Heute lagern 10.000 Tonnen AtommĂŒll 50 Meter unter der OberflĂ€che. Im Jahr 2016 kĂŒndigte ein kanadisch-schweizerisches Forscherteam angesichts der Eisschmelze noch vor Ende des Jahrhunderts eine ökologische Katastrophe an. Die dĂ€nische Regierung initiierte daraufhin das »Camp Century Monitoring Programme«.

Die AufrĂŒstung in der Arktis ist wesentlich geopolitisch geprĂ€gt. Der Einfluss Chinas und Russlands in der Region soll zurĂŒckgedrĂ€ngt werden. Dies wird auch in der Entwicklung des 1996 gegrĂŒndeten Arktischen Rats deutlich. UrsprĂŒnglich gehörten diesem Vertreter DĂ€nemarks, Islands, Norwegens, Schwedens, Finnlands, Russlands, Kanadas und der USA an. Gemeinsam wollte man sich den Herausforderungen des Klimawandels in der Region widmen. Aufgrund des Ukraine-Krieges gibt es seit MĂ€rz 2022 keine russischen Vertreter mehr im Rat, wĂ€hrend Schweden und Finnland als letzte der verbliebenen LĂ€nder auf dem Weg in die NATO sind.


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NEUER BEITRAG29.01.2023, 18:36 Uhr
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arktika

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Indigene Bevölkerung Europas
»Dann macht der Staat, was er will«
Rentierhaltung in Såpmi und gesteigerte NATO-MilitÀrprÀsenz. Ein GesprÀch mit Niila Inga


(Niila Inga ist Vorsitzender der Vereinigung samischer Rentierhalter im Gebiet der Stadt Kiruna in ­Nordschweden. - [Das ist da, wo gerade große VorrĂ€te "Seltener Erden" abgebaut werden sollen und wo die Stadt sowieso schon "umziehen" muß, wegen Erzabbaus, die Menschen, gleich welcher Ethnie, also eh schon doppelt gearscht sind.; arkt.])

Immer wieder tauchen in samischen Medien Berichte darĂŒber auf, dass die Rentierhaltung durch die militĂ€rische PrĂ€senz in SĂĄpmi gestört wird. Das betrifft auch Ihre lokale Gemeinschaft, Ihr Sameby Laevas, das im Gebiet der Stadt Kiruna liegt. Sie selbst haben sich dazu immer wieder öffentlich geĂ€ußert. Was ist das Problem?

Zum einen haben wir im Gebiet unseres Samebys einen großen TruppenĂŒbungsplatz, Kalixfors, der vor allen fĂŒr WinterĂŒbungen verwendet wird. WĂ€hrend dieser Übungen wird das GelĂ€nde abgeriegelt, auch uns wird der Zugang verwehrt, oft wochenlang. Wir mĂŒssen dann unsere Rentiere einsammeln und die Herden aus dem Gebiet herausfĂŒhren. Das bedeutet nicht nur viel Arbeit, es setzt die Rentiere auch hohen Belastungen aus. Vor allem aber gibt es keine alternativen WeideplĂ€tze, auf die wir sie fĂŒhren können, weil unser Gebiet an die Gebiete anderer Rentierhalter angrenzt. Das Ganze wird also zu einem Futterproblem, eine schwierige Situation. Dazu kommen die zahlreichen MilitĂ€rflĂŒge im Bereich des Bergs Kebnekaise, die auch außerhalb des TruppenĂŒbungsplatzes durchgefĂŒhrt werden. Die Helikopter schrecken die Rentierherden auf, die deshalb ihre Weidegebiete verlassen. Wir dĂŒrfen sie dann wieder zurĂŒckholen.

Anscheinend hilft das MilitÀr manchmal dabei. Stehen Sie im Dialog mit den Verantwortlichen?

Nun ja. Manchmal scheucht das MilitĂ€r die Tiere mit den Helikoptern wieder zurĂŒck. Man kann das Hilfe nennen. Einen Dialog gibt es, aber der entspricht dem Dialog der SĂĄmi mit dem schwedischen Staat im allgemeinen: Wir dĂŒrfen unsere Bedenken vortragen, dann macht der Staat, was er will. Das MilitĂ€r prĂ€sentiert immer fertige PlĂ€ne, und wenn wir diese in Frage stellen, macht das kaum einen Unterschied. Aber es gibt auch Erfolge. In Norwegen gelang es den Rentierhaltern der Vereinigung Gielas, nördlich von Narvik, eine große NATO-Übung im Jahr 2022 zu stoppen.

Wer fĂŒhrt auf dem TruppenĂŒbungsplatz Kalixfors Manöver durch? Sind das nur schwedische MilitĂ€rs?

Nein. Aber genaue Informationen erhalten wir selten. Man verweist immer auf sicherheitspolitische Interessen und hĂ€lt vieles geheim. Aber schon lange vor dem schwedischen Ansuchen um NATO-Mitgliedschaft haben auch NATO-Truppen hier Übungen durchgefĂŒhrt. MilitĂ€rverbĂ€nde vieler LĂ€nder kommen gern hierher, hier gibt es wenigstens noch richtigen Winter.

Wird es im Falle einer NATO-Mitgliedschaft Schwedens und Finnlands zu noch mehr MilitĂ€rĂŒbungen in SĂĄpmi kommen?

Davon mĂŒssen wir ausgehen.


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NEUER BEITRAG29.01.2023, 20:33 Uhr
EDIT: FPeregrin
29.01.2023, 21:30 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

"Frieden ist ein zentrales Thema in der samischen Kultur. Der bekannte samische Dichter Nils-Aslak ValkeapÀÀ wurde nie mĂŒde zu betonen, dass es in der samischen Sprache kein Wort fĂŒr »Krieg« gebe. Dass SĂĄmi im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen NATO-LĂ€ndern und Russland zum Kampf gegeneinander gezwungen werden könnten, ist fĂŒr viele Bewohner SĂĄpmis eine schrecklich Vorstellung."

Die beiden Ă€ußeren SĂ€tze sind richtig, was damit zusammenhĂ€ngt, daß die arktischen Völker "von sich aus" grundsĂ€tzlich keine Kriege fĂŒhren und gefĂŒhrt haben, weil sie unter den verschĂ€rften Lebensbedingungen das Überleben aller gefĂ€hrden. Daher eine Tradition des "Ausverhandelns" bis zum letzten Punkt. Daß es deshalb kein Wort mit der Bedeutung 'Krieg' gĂ€be, ist ein Ethno-Mythos, den der - mit Verlaub, bei aller sonstigen Verehrung - ReaktionĂ€r Nils-Aslak ValkeapÀÀ ausgiebig unter die Leute bringen konnte, die kein SĂĄmisch können. Hier reicht ein Blick in das Wörterbuch. Das "SĂĄmi-Duiskka SĂĄtnegirji" von Pekka Sammallahti & Klaus Peter Nickel fĂŒhrt S. 653f. eine ganze Latte Komposita und Derivate zu soahtat 'kĂ€mpfen', 'KriegfĂŒhren' und soahti 'Krieg', 'Kampf, Gefecht' - dabei sogar: soahttĂĄt 'einen Krieg anfangen' -, die zumindest auf mich - ich bin kein Finnougrist -, nicht einmal den Eindruck von Lehnlexemen machen. Sowas kann man auch im sonnigen Stockholm nachgucken, wenn ich es hier zuhause im noch sonnigeren LĂŒttjenkaxtrup kann ...!

"Als die deutsche Wehrmacht 1944 aus Norwegen abzog, legte sie die nördlichste Provinz des Landes, die mehrheitlich von SĂĄmi bewohnte Finnmark, in Schutt und Asche. Der ErzĂ€hlung zufolge blieb auf dem Gebiet, das grĂ¶ĂŸer als DĂ€nemark ist, eine einzige Kirche erhalten."

Auch das kann man mal recherchieren. Ich weiß nicht einmal, ob das fĂŒr die Innere Finnmark stimmt. In Kautokeino ist auch die Kirche angesteckt worden. In Karasjok ist die alte Kirche als einziges GebĂ€ude stehengeblieben. Die Nazi-WehrmachtsĂ€rsche hatten wohl manchmal Angst vom Lieben Gott! Ich schließe also nicht völlig aus, daß es das anderswo auch gegeben hat, aber mir fĂ€llt kein Beispiel ein. - Aber in BugĂžynes in der Ost-Finnmark hat der deutsche Kommandant befehlswidrig ausgehandelt, vom Abfackeln abzusehen, wenn die Bevölkerung ihm beim RĂŒckzug ĂŒber den Varangerfjord helfen wĂŒrde. So ist der Ort erhalten geblieben. Dessen Einwohner sind allerdings ĂŒberwiegend Kven, keine SĂĄmen. - Daß einem allerdings die Ausnahmen einfallen, zeigt ganz gut wie die "saubere Wehrmacht" hier gewĂŒtet hat...

***

P.S. zu Ersterem, weil mich der Quatsch noch immer Ă€rgert: Wenn 'Frieden' in einer Kultur eine große Rolle spielt, dann hat man auch - wie verschwommen auch immer - einen Gegenbegriff. Und 'Frieden' kann nur dann eine kulturelle Rolle spielen, wenn man weiß, daß er eben nicht selbstverstĂ€ndlich ist! Dies kann einem auch dann klar sein, wenn der Weg zum sĂĄmischen Wörterbuch als zu weit erscheint!
NEUER BEITRAG29.01.2023, 20:41 Uhr
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FPeregrin

FN zum 'Arktischen Rat':" UrsprĂŒnglich gehörten diesem Vertreter DĂ€nemarks, Islands, Norwegens, Schwedens, Finnlands, Russlands, Kanadas und der USA an. [...] Aufgrund des Ukraine-Krieges gibt es seit MĂ€rz 2022 keine russischen Vertreter mehr im Rat"

Man gucke ich mal eine politische Karte des arktischen Ozeans an, ... wer wie-lange KĂŒstenabschnitte hat z.B. - 'Arktischer Rat' ohne Rußland ist wie Kneipe ohne Bier! LĂ€cherlich!
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! Arctic_region _CIA_World_Factbook.jpg
NEUER BEITRAG28.01.2025, 16:00 Uhr
EDIT: arktika
28.01.2025, 16:33 Uhr
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arktika

Militarisierung der Arktis - Kampf um Grönland? Aktuell - nach dem Sieg Trumps bei den US-PrĂ€sidentschaftswahlen, zusĂ€tzlich begĂŒnstigt noch durch sich bessernde Klimabedingungen in Hinblick auf den Abbau von BodenschĂ€tzen und die geostrategische Lage dieser weltgrĂ¶ĂŸten Insel - steht Grönland im Mittelpunkt der Begierde. Geographisch dem (nord-) amerikanischen Kontinent und politisch Europa zuzuordnen (als Teil des Königreichs DĂ€nemark zwar mittlerweile mit Teilautonomie und Parlament - ob eigener Fußballnationalmannschaft ((analog zu den Faröern)) weiß ich jetzt nicht sicher, meine aber ja -, aber immer noch in einem halbkolonialen Zustand), wird hier eine sehr unterschiedliche Interessenlage zwischen USA und DĂ€nemark ( sowie Europa) deutlich. Nachrangig sind - wie allgemein ĂŒblich - die Interessen der dortigen, z. T. autochtonen Bevölkerung. Sowohl die USA als auch die EU beanspruchen Grönland fĂŒr sich, was auch fĂŒr die NATO Sprengkraft birgt. Und sich in jedem Fall gegen Rußland und China richtet ...

Hierzu der Beginn eines Zwei- oder Mehrteilers auf gfp am 27. Jan. 2025:

[zur genauen Lage der Insel u. GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnisse s. die Karte des Vorpost von FPeregrin vom 29.01.2023, 20.41 Uhr; arkt.]

Der Kampf um Grönland (I)

Chef des EU-MilitĂ€rausschusses fordert Stationierung von EU-Soldaten in Grönland. Die USA wollen sich die Insel einverleiben, um geostrategisch in der Arktis in die Offensive zu gehen – gegen Russland und China.


BERLIN/KOPENHAGEN/NUUK/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Der Vorsitzende des EU-MilitĂ€rausschusses spricht sich fĂŒr die Stationierung von Truppen aus EU-Mitgliedstaaten in Grönland aus. Eine solche Maßnahme „wĂ€re ein starkes Signal“, erklĂ€rte der österreichische General Robert Brieger am Wochenende in Reaktion auf die Bestrebungen der Trump-Administration, sich die Kontrolle ĂŒber die zu DĂ€nemark gehörende Insel zu sichern. Trump hatte zuvor erstmals einen US-Eroberungskrieg gegen den EU-Staat DĂ€nemark ausdrĂŒcklich nicht ausgeschlossen. Der Konflikt um Grönland ist eine Folge der schnell steigenden Bedeutung der Arktis, die wiederum aus dem Klimawandel und dem Abschmelzen der polaren Eiskappen resultiert. Letzteres fĂŒhrt dazu, dass strategisch wichtige Seewege, die bislang noch von Eis bedeckt sind, befahrbar werden und sich der Zugriff auf Ressourcen unter arktischem Boden öffnet. Grönland etwa verfĂŒgt ĂŒber riesige LagerstĂ€tten an Seltenen Erden, auf die es sowohl die EU als auch die Vereinigten Staaten abgesehen haben, um ihrer heutigen AbhĂ€ngigkeit vom Bezug der Rohstoffe aus China zu entkommen. Geostrategisch besitzt Grönland ebenfalls Bedeutung – nicht zuletzt im Machtkampf gegen Beijing.

Eisschmelze in der Arktis

Die Arktis insgesamt ist vom Klimawandel lĂ€ngst in besonderem Maße betroffen. Die Temperaturen steigen dort erheblich schneller als in anderen Teilen der Welt; einige Studien beziffern die ErwĂ€rmung in der Region auf das Vierfache des globalen Durchschnitts.[1] Das fĂŒhrt dazu, dass wachsende Teile des Arktischen Ozeans zeitweise eisfrei sind; laut aktuellen Analysen könnte der erste Tag, an dem das gesamte GewĂ€sser von gefrorenem Meereis frei ist, noch vor dem Jahr 2030 eintreten.[2] Der Klimawandel wirkt sich dabei auch auf Grönland immer stĂ€rker aus. In der Hauptstadt Nuuk wurden in den vergangenen Jahren stets neue Höchsttemperaturen fĂŒr die Monate MĂ€rz und April gemessen – 13,2 Grad Celsius im Jahr 2016, 14,6 Grad Celsius im Jahr 2019 und 15,2 Grad Celsius im Jahr 2023. FĂŒr den Norden der Insel stellten Computeranalysen einen Anstieg um 17 bis 28 Grad ĂŒber den gewohnten Mittelwert fest.[3] Laut einer aktuellen Analyse der University of Maine fĂŒhrten Rekordtemperaturen im Herbst 2022 dazu, dass heftige NiederschlĂ€ge als Regen anstatt als Schnee fielen und Metalle sowie andere Elemente aus erstmals aufgetauten Permafrostböden in grönlĂ€ndische Seen spĂŒlten. Gut 7.500 Seen ĂŒberschritten dadurch einen Kipppunkt; die WasserqualitĂ€t ist seitdem beeintrĂ€chtigt. Die Seen nehmen nun nicht mehr, wie zuvor, Kohlendioxid aus der AtmosphĂ€re auf, sondern geben es ab.[4]

Seltene Erden

Die Tatsache, dass das Eis auch auf Grönland in raschem Tempo schmilzt, fĂŒhrt dazu, dass dort – ganz wie andernorts in der Arktis – umfangreiche RohstoffvorrĂ€te freigesetzt oder der Zugriff auf sie erleichtert werden. Herausragende Bedeutung wird zur Zeit den gewaltigen VorrĂ€ten an Seltenen Erden beigemessen, die vor allem in der NĂ€he der Ortschaft Narsaq im SĂŒden der Insel liegen. Von der LagerstĂ€tte Kringlerne heißt es, dort ließen sich rund 3.000 Tonnen Seltene Erden pro Jahr fördern; das entspreche rund 60 Prozent des Jahresbedarfs in Europa.[5] Noch grĂ¶ĂŸere Ausbeute verspricht die zweite nahe Narsaq gelegene LagerstĂ€tte Kvanefjeld; dort ist von einer „jĂ€hrlichen Produktion von 3 Millionen Tonnen im offenen Tagebau“ die Rede. Diverse Versuche chinesischer Unternehmen, in die Rohstoffförderung und den Bau von Infrastruktur in Grönland zu investieren, sind in den vergangenen Jahren, wie aktuelle Berichte bestĂ€tigen, von DĂ€nemark und den USA „verhindert“ worden.[6] Seit einiger Zeit ist die EU bemĂŒht, in den Abbau der Ressourcen einzusteigen. Im November 2023 hat sie eine Rohstoffpartnerschaft mit Grönland initiiert; zum Bau der notwendigen – und teuren – Infrastruktur soll die Global Gateway-Initiative genutzt werden, die eigentlich als Konkurrenzprojekt zu Chinas Neuer Seidenstraße gestartet wurde.[7]

„Dominanz in der Verarbeitung“


Die Konkretisierung der EU-PlĂ€ne allerdings verzögert sich noch. Insbesondere im Fall der LagerstĂ€tte Kvanefjeld steht ihr im Weg, dass dort auch große Mengen an Uran nachgewiesen sind, weshalb bei einem Abbau im großen Stil wohl ernste UmweltschĂ€den drohen; aus der Bevölkerung werden deshalb Proteste laut. Es kommt hinzu, dass nun auch die USA Interesse am Zugriff auf Grönlands Seltene Erden anmelden. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass selbst eine umfassende Ausbeutung der grönlĂ€ndischen Ressourcen die EU und die USA nicht aus ihrer AbhĂ€ngigkeit von China lösen wĂŒrde. Große LagerstĂ€tten an Seltenen Erden gebe es beispielsweise in Australien, Kanada, Brasilien, Indien, ja selbst in den USA, heißt es etwa in einer im Oktober publizierten Studie der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).[8] Dass die NATO-Staaten gegenwĂ€rtig in Sachen Seltene Erden auf Lieferungen aus China angewiesen seien, liege nicht an einem „Mangel an FundstĂ€tten“, sondern vielmehr an der chinesischen „Dominanz in der Verarbeitung“. Westliche Konzerne mieden „die teure und umweltbelastende Verarbeitung“ bis heute und lieferten die Rohstoffe „nach China zur Aufbereitung“, konstatiert die SWP. Beijings Einfluss auf die Versorgung mit Seltenen Erden beruhe „auf der Kontrolle ĂŒber Technologien, ProduktionskapazitĂ€ten, Wertschöpfungsketten, Exportquoten und Preise“.


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NEUER BEITRAG28.01.2025, 16:39 Uhr
Nutzer / in
arktika

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Strategisch wichtige Seewege

Abgesehen von Rohstofffragen ist die arktische Eisschmelze von erheblicher geostrategischer Bedeutung, da sie neue Seewege freilegt, die seit je zugefroren und daher unpassierbar waren. Dies gilt in Zukunft wohl fĂŒr die Nordwestpassage aus dem Atlantik westlich an Grönland und nördlich an Kanada vorbei durch die Beringstraße in den Pazifik und fĂŒr die Seewege quer durch den Arktischen Ozean. Schon heute zumindest zeitweise befahren wird die Nordostpassage, die aus dem Pazifik durch die Beringstraße nördlich an Russland vorbei ins EuropĂ€ische Nordmeer und in den Atlantik fĂŒhrt. In den strategischen Planungen Chinas wird die Nordostpassage als polare Seidenstraße bezeichnet. Sie ist nicht nur kĂŒrzer als die maritime Seidenstraße, die durch das SĂŒdchinesische Meer und den Indischen Ozean bis ins Mittelmeer fĂŒhrt, sondern kann – anders als diese – insbesondere in der Straße von Malakka [9] – nur schwer von den Vereinigten Staaten blockiert werden. Aufgrund ihrer Bedeutung haben Moskau und Beijing im April 2023 eine Zusammenarbeit zwischen dem russischen Grenzschutz und der chinesischen KĂŒstenwache entlang der Route im Norden Russlands vereinbart.[10] Grönland spielt fĂŒr die Kontrolle der MĂŒndung all dieser Seewege in den Nordatlantik eine große Rolle. Dies gilt ganz besonders fĂŒr die sogenannte GIUK-LĂŒcke (Greenland, Iceland, United Kingdom), die Kriegsschiffe der russischen Nordflotte passieren mĂŒssen, sollen sie in den Atlantik einfahren.[11]

„EU-Soldaten stationieren“

Mit Blick auf die zunehmende geostrategische Bedeutung der Arktis riet die SWP schon im Oktober vergangenen Jahres dazu, die Bundeswehr, die bereits jetzt an „Übungen im hohen Norden“ teilnehme – genannt wurden Großmanöver wie etwa Trident Juncture, Nordic Response und Rapid Viking [12] –, solle „ihr Ambitionsniveau auf die Arktis erweitern“ [13]. Auf nationaler Ebene habe sie dies bereits im August 2020 mit einer Übung getan, in deren Rahmen 400 Marinesoldaten „an Bord von sieben Minenjagdbooten von Kiel ĂŒber den Polarkreis hinaus nach Narvik an der KĂŒste Norwegens“ gefahren seien. Deutschland solle, so hieß es weiter bei der SWP, „sich gemeinsam mit alliierten Marinen stĂ€rker im arktischen Raum“ betĂ€tigen; „PrĂ€senz und Übungen sollten verstetigt und erweitert werden“. DafĂŒr spricht sich jetzt auch der Vorsitzende des EU-MilitĂ€rausschusses, Robert Brieger, aus. Dem österreichischen General zufolge sei es „durchaus sinnvoll“, in Grönland „eine Stationierung von EU-Soldaten in ErwĂ€gung zu ziehen“: „Das wĂ€re ein starkes Signal und könnte zur StabilitĂ€t in der Region beitragen“, behauptete Brieger.[14]

US-PlÀne

Brieger bezieht sich dabei ausdrĂŒcklich auf die aktuellen PlĂ€ne der Trump-Administration, Grönland auf die eine oder andere Weise unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Bestrebungen knĂŒpfen an frĂŒhere US-Versuche an, sich die Insel einzuverleiben, die weit in die Geschichte der langjĂ€hrigen dĂ€nischen Kolonie zurĂŒckreichen. german-foreign-policy.com berichtet in KĂŒrze.


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NEUER BEITRAG28.01.2025, 17:08 Uhr
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FPeregrin

"- ob eigener Fußballnationalmannschaft [...] weiß ich jetzt nicht sicher, meine aber ja -"

Ich bitte Dich! - SelbstverstÀndlich: Link ...jetzt anmelden! , wenn auch bislang bei der FIFA ausgesperrt. Trainer war immer mal wieder der unvergessene Sepp Piontek: Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG03.02.2025, 17:39 Uhr
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arktika

Stimmt! Aber wie Du selbst schreibst, nicht von der FIFA anerkannt, und auch noch nicht einmal von der UEFA. Trotz BemĂŒhungen Grönlands ...
Teilnahme deshalb auch nur an "freien", "bunten" oder sonstwie benannten u. organisierten alternativen internationalen Wettbewerben.
Parias auf der (offiziellen) WeltfußballbĂŒhne also!
NEUER BEITRAG03.02.2025, 17:54 Uhr
Nutzer / in
arktika

Der zweite Teil dieser Artikelreihe stellt im wesentlichen die Historie des Tauziehens um die Insel dar, sehr lesenswert!

Der Kampf um Grönland (II)

Grönland, von DÀnemark seit dessen Kolonialexpansion im 18. Jahrhundert kontrolliert und jetzt von den USA beansprucht, ist seit Jahrhunderten ein Spielball fremder MÀchte. Auch Deutschland spielte dabei immer wieder eine Rolle.


BERLIN/KOPENHAGEN/NUUK/WASHINGTON (Eigener Bericht) – Deutschland und Frankreich haben DĂ€nemark UnterstĂŒtzung im Streit im Grönland zugesagt. Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron bekrĂ€ftigten gestern bei einem Kurzbesuch der dĂ€nischen MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen, sie bestĂŒnden auf der territorialen SouverĂ€nitĂ€t aller Staaten. Dies steht einer Einverleibung Grönlands durch die USA entgegen. Grönland, heute ein autonomer Teil des DĂ€nischen Königreichs, wurde in seiner Geschichte nicht nur von US-AnsprĂŒchen, sondern vom Dreieck Kopenhagen-Washington-Berlin geprĂ€gt. So fĂŒhrte der deutsche Einmarsch nach DĂ€nemark im April 1940 letztlich zur Errichtung der ersten US-MilitĂ€rbasen auf der Insel. SpĂ€ter löste die PlĂŒnderung der FischbestĂ€nde in Grönlands GewĂ€ssern durch bundesdeutsche Fischer massive Kritik an der Mitgliedschaft der Insel im EU-VorlĂ€ufer EuropĂ€ische Gemeinschaft (EG) aus; dies fĂŒhrte schließlich dazu, dass sich eine klare Mehrheit von Grönlands Bevölkerung im Jahr 1982 fĂŒr den Austritt aus der EG aussprach. Unter Außenpolitikern gilt die Insel bis heute als „Europas Tor zur Arktis“, von dem auch die Bundesrepublik profitiert.

DĂ€nemark als Kolonialmacht

DĂ€nemark hatte neben den Kolonien im Hohen Norden weitere in der Karibik erobert, wo sich die DĂ€nische Westindien-Kompanie im Verlauf des 17. und des 18. Jahrhunderts mehrere Inseln einverleibte. Nach dem Konkurs der Kompanie ĂŒbernahm der dĂ€nische Staat 1754 die direkte Kontrolle eines Großteils der Inselgruppe der DĂ€nischen Jungferninseln. Deren Hauptort St. Thomas, ein Freihafen, entwickelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zum Eingangstor der Hamburgischen Karibikschifffahrt in die Region.[1] Nach der GrĂŒndung des Deutschen Kaiserreichs etablierte die kaiserliche Marine ihre „Ostamerikanische Station“, in deren Rahmen deutsche Kriegsschiffe hauptsĂ€chlich von St. Thomas aus in der Region operierten.[2] Die dĂ€nische Kolonie diente somit als Sprungbrett fĂŒr die deutsche Kanonenbootpolitik. DarĂŒber hinaus beobachtete der US-Konsul auf den dĂ€nischen Jungferninseln, dass DĂ€nemark in der Kolonialbesitzung das Deutsche Kaiserreich in wirtschaftlichen Angelegenheiten bevorzugte.[3] Aufgrund der AktivitĂ€ten der deutsche Marine in der Karibik stieg in Washington das Interesse, die dĂ€nischen Jungferninseln zu kaufen.[4] Ende MĂ€rz 1917 erwarben die USA sie tatsĂ€chlich; eine Woche spĂ€ter erklĂ€rte die US-Regierung Deutschland den Krieg.[5] Das deutsche Sprungbrett in die Region war dauerhaft verloren.

„Erik-des-Roten-Land“

Nach dem Sieg der Entente im Ersten Weltkrieg regelten der Versailler Vertrag und andere in und bei Paris geschlossene VertrĂ€ge die NachkriegsverhĂ€ltnisse in Europa. Parallel dazu erkannten die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und Italiens die dĂ€nische SouverĂ€nitĂ€t ĂŒber Grönland an, die Kopenhagen bereits seit 1721 beansprucht hatte – seit der Zeit also, in der es auch seine karibischen Kolonien eroberte.[6] Die USA hatten die dĂ€nische Herrschaft ĂŒber Grönland bereits 1917 mit dem Vertrag ĂŒber die DĂ€nischen Jungferninseln anerkannt. Lediglich Norwegen war nicht bereit, eigene AnsprĂŒche auf Grönland aufzugeben. Im Juni 1931 besetzte eine norwegische Expedition Grönlands OstkĂŒste und taufte das Gebiet „Eirik-Raudes-Land“ – benannt nach Erik dem Roten, einem im heutigen Norwegen geborenen Wikinger, der als erster EuropĂ€er im 10. Jahrhundert Grönland erreichte. Bei einem auf die norwegische Landnahme folgenden Verfahren vor dem StĂ€ndigen Internationalen Gerichtshof (StIGH) half der damals in Rostock und WĂŒrzburg lehrende Völkerrechtsprofessor Ernst Wolgast der norwegischen Seite mit juristischen Gutachten und aktiver Pressearbeit. Trotz der Hilfe des deutschen Juristen urteilte der StIGH jedoch zugunsten DĂ€nemarks. Die norwegischen Besatzer zogen sich daraufhin aus Ostgrönland zurĂŒck.[7] Verteidigungsminister in Oslo war in der Zeit der Ostgröndlandkrise Vidkun Quisling. Quisling grĂŒndete einen Monat nach dem IGH-Urteil die am Nationalsozialismus orientierte Nationale Vereinigung (Nasjonal Samling, NS) und wurde ihr AnfĂŒhrer.[8]

Zweiter Weltkrieg

Nach dem deutschen Einmarsch in DĂ€nemark im April 1940 entsandte die US-Regierung ein Schiff der US-KĂŒstenwache nach Grönland und eröffnete ein Konsulat in dessen Hauptstadt, die damals GodthĂ„b hieß; heute lautet ihr Name Nuuk. Die USA waren damals im Zweiten Weltkrieg noch neutral; doch aufgrund der deutschen Expansion in Europa dehnte die Regierung in Washington kurzerhand die fĂŒr Lateinamerika und die Karibik konzipierte Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823 auf Grönland aus. Ein Monat spĂ€ter eröffnete auch Kanada ein Konsulat in GodthĂ„b.[9] Nachdem die USA im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, besetzten US-Truppen Grönland und errichteten entlang der KĂŒstenlinie mehrere MilitĂ€rbasen. In Washington sah man die Insel als wichtigen Pfeiler der Verteidigung Nordamerikas gegen die deutschen Truppen an. Nach Kriegsende bot die US-Regierung DĂ€nemark 100 Millionen US-Dollar als Kaufpreis fĂŒr die Insel an, doch Kopenhagen lehnte ab.[10] Washington konnte sich allerdings 1951 von der dĂ€nischen Regierung die dauerhafte Nutzung der MilitĂ€rbasis Thule im Nordwesten Grönlands zusichern lassen. Die Thule Air Force Base wurde zu einer der wichtigsten Flugabwehrbasen der US-Luftwaffe in der aufkommenden Systemkonfrontation.[11] Die Sowjetunion löste Deutschland als wichtigsten Faktor bei der Gestaltung der US-Politik in der Grönlandfrage ab.

Fremde Fangflotten

Dennoch beeinflusste die Bundesrepublik Grönlands Politik auch weiterhin. Eine zentrale Rolle spielte dabei der fĂŒr die Insel Ă€ußerst wichtige Fischfang. Der Konflikt darum betraf auch Island, das – anders als Grönland – nach langer dĂ€nischer Kolonialherrschaft 1944 unabhĂ€ngig geworden war. Island startete daraufhin umfangreiche BemĂŒhungen, Fischer aus Westeuropa und vor allem Fischer aus der Bundesrepublik, die die islĂ€ndischen FischbestĂ€nde besonders stark plĂŒnderten, aus seinen GewĂ€ssern fernzuhalten.[12] Nach langen KĂ€mpfen hatte es Erfolg; 1976 zogen sich Hochseefischer aus Bremerhaven aus Island zurĂŒck. Grönland wiederum, das nicht die UnabhĂ€ngigkeit erlangt hatte, sondern als Provinz DĂ€nemark eingegliedert worden war, gehörte mit dessen Beitritt zur EuropĂ€ischen Gemeinschaft (EG) ab 1973 dem VorlĂ€ufer der EuropĂ€ischen Union (EU) an. Seit der Erlangung eines Autonomiestatus im Königreich DĂ€nemark im Jahr 1979 durften die GrönlĂ€nder jedoch selbst ĂŒber einige Fragen entscheiden – etwa ĂŒber die Zugehörigkeit zur EG. Im Februar 1980 fĂŒhrten die illegalen FangaktivitĂ€ten von Fischern aus Bremerhaven vor den KĂŒsten Grönlands zu einem internationalen Eklat. Die deutschen Fischer wurden festgenommen und verurteilt.[13]


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Austritt aus der EG

In Grönland jedoch setzte mit Blick auf die herausragende Bedeutung der Fischindustrie fĂŒr die eigene Wirtschaft eine Debatte um den Austritt aus der EG ein. Bei einem Referendum im Februar 1982 stimmten 53 Prozent der grönlĂ€ndischen WĂ€hler fĂŒr den Austritt. Grönland war damit das erste Gebiet, das freiwillig aus der EG austrat.[14] Nicht nur wirtschafts-, sondern auch außenpolitisch setzte sich die grönlĂ€ndische Politik von Westeuropa ab: Mitte der 1980er Jahre etablierten Parlamentarier aus Grönland mit Vertretern Islands und der FĂ€röer ein gemeinsames Gremium, das seit 1997 den Namen „Westnordischer Rat“ trĂ€gt. Die Abgeordneten des Rates erklĂ€rten die Region zur atomwaffenfreien Zone. DarĂŒber hinaus wandten sich grönlĂ€ndische Politiker in den 1990er Jahren gegen die Errichtung eines damals geplanten NATO-Raketenschildes.[15] Das Streben nach endgĂŒltiger Entkolonialisierung und Grönlands zunehmende Autonomie fĂŒhrten damit zu einer politischen Entfremdung von Deutschland.

Tor zur Arktis

Indirekte Einflusshebel hat sich die Bundesrepublik dennoch bewahrt. Weil die dĂ€nische Regierung trotz Grönlands Autonomie weiterhin die Außen- und Verteidigungspolitik der Insel verantwortet, setzte die Bundesregierung in den vergangenen Jahrzehnten in Arktisfragen stets auf eine enge Kooperation mit DĂ€nemark. Ein Experte der von der Bundesregierung mitfinanzierten Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) bezeichnete Grönland dabei einst als „Europas Tor zur Arktis“.[16] Sollte Grönland unabhĂ€ngig werden, könnte es der EuropĂ€ischen Freihandelsassoziation (European Free Trade Association, EFTA) mit Island und Norwegen beitreten. Damit wĂ€re eine Anbindung an die EU auch ohne Zugehörigkeit zu DĂ€nemark gesichert. WĂŒrde Grönland allerdings als Außengebiet oder als freiwillig assoziierter Staat den USA zugeschlagen, dann wĂ€re der Einfluss der EU auf ein Minimum reduziert.

US-AnnektionsplÀne

US-amerikanische Überlegungen, Grönland zu ĂŒbernehmen, reichen weit in die Geschichte zurĂŒck. Bereits wĂ€hrend des US-BĂŒrgerkriegs (1861–1865) zog der Außenminister der Nordstaaten, William H. Seward (im Amt 1861–1869), einen Kauf Grönlands durch die USA in Betracht.[17] Unter Sewards Ägide erwarben die Vereinigten Staaten kurz nach dem Ende des BĂŒrgerkriegs Alaska vom Russischen Zarenreich – bis heute der zweitgrĂ¶ĂŸte Territorialerwerb in der Geschichte der USA.[18] Im Jahr 1867 schrieben Mitarbeiter des geodĂ€tischen Dienstes der USA (US Coast Survey) einen umfassenden Bericht ĂŒber Grönland, in dem unter anderem die Rohstoffvorkommen der Insel beschrieben wurden.[19] In den vergangenen 160 Jahren kam die Idee eines US-Erwerbs Grönlands immer wieder auf, unter anderem kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – und jetzt erneut seit der ersten PrĂ€sidentschaft von Donald Trump. Dabei steht inzwischen China im Fokus der US-Grönlandpolitik. Bereits seit 2017 fĂŒrchtet Washington einen wachsenden Einfluss Chinas auf der Insel. Zwar ist der Einfluss der Volksrepublik bisher gering; chinesische Konzerne halten – aufgrund dĂ€nischer und US-amerikanischer Einflussnahme – allenfalls Minderheitenbeteiligungen an Minengesellschaften in Grönland.[20] Dessen Autonomieregierung freilich zeigt Interesse am Ausbau der Beziehungen mit China: Seit 2021 unterhĂ€lt sie einen eigenen Vertreter in der dĂ€nischen Botschaft in Beijing.[21]

MilitÀrische RivalitÀt

Konkrete VorstĂ¶ĂŸe, sich Grönland anzueignen, unternahmen die Vereinigten Staaten erstmals seit Jahrzehnten im Jahr 2019. Neben dem Kampf um die Rohstoffe der Insel und um geostrategisch bedeutende Seewege [22] geht es dabei in wachsendem Maß auch um offene militĂ€rische RivalitĂ€t. german-foreign-policy.com berichtet in KĂŒrze.


Am 29. Jan. 2025 auf gfp unter
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... und am 31. Jan. der dritte Teil:

Der Kampf um Grönland (III)

EU-Debatte ĂŒber Entsendung von Soldaten nach Grönland schwillt an. Die Arktis ist bereits heute Schauplatz einer wachsenden militĂ€rischen RivalitĂ€t zwischen den USA und Russland.


BERLIN/KOPENHAGEN/WASHINGTON (Eigener Bericht) – In der EU schwillt die Debatte ĂŒber die Stationierung von Soldaten in Grönland an. Nach einem entsprechenden Vorstoß des Vorsitzenden des EU-MilitĂ€rausschusses hat nun auch Frankreichs Außenminister Jean-NoĂ«l Barrot erklĂ€rt, „wenn unsere Interessen auf dem Spiel stehen“, werde man ĂŒber die Entsendung von Truppen auf die zum EU-Staat DĂ€nemark gehörende Insel nachdenken. Barrot verwies darauf, dass die Arktis insgesamt zu einem „neuen Konfliktfeld“ geworden sei. TatsĂ€chlich nimmt auch dort die RivalitĂ€t vor allem zwischen dem Westen und Russland zu. Russland verfĂŒgt inzwischen ĂŒber ein knappes Dutzend MilitĂ€rbasen in seiner Arktisregion, um seine Nordflanke mit dem Heimathafen seiner Nordflotte wie auch die dortigen Erdöl- und Erdgasquellen zu schĂŒtzen. Die Vereinigten Staaten betreiben neun MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in Alaska und nutzen die Pituffik Space Base in Grönland. Bereits im Mai 2019 hatte US-Außenminister Mike Pompeo die Arktis zur „Arena“ globaler MachtkĂ€mpfe erklĂ€rt; PrĂ€sident Donald Trump hatte sie kaufen wollen. Dass er damals scheiterte, trĂ€gt zur ErklĂ€rung seiner Ă€ußerst aggressiven aktuellen Annexionsforderungen bei.


„Puerto Rico mit Schnee“


Erstmals seit entsprechenden Bestrebungen in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die USA eine Annexion Grönlands 2019 ins Visier. Im Mai 2019 erklĂ€rte Außenminister Mike Pompeo in einer Rede, die er vor einem Treffen des Arktischen Rats im nordfinnischen Rovaniemi hielt, die Arktis sei zur „Arena“ fĂŒr globale Macht- und KonkurrenzkĂ€mpfe geworden: „Wir treten in ein neues Zeitalter strategischer AktivitĂ€ten in der Arktis ein.“[1] Im August 2019 erklĂ€rte US-PrĂ€sident Donald Trump, er wolle Grönland kaufen. Der Vorstoß löste in DĂ€nemark allgemein und in Grönland selbst unglĂ€ubige, teils entsetzte Reaktionen aus. „Ich hoffe, das ist ein Witz“, bekannte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im dĂ€nischen Parlament, Martin Lidegaard – es sei es „ein schrecklicher und grotesker Gedanke“.[2] „Grönland steht nicht zum Verkauf“, teilte der grönlĂ€ndische MinisterprĂ€sident Kim Kielsen mit. Entsprechend fĂŒhrten Trumps PlĂ€ne ins Leere. Der Leiter des Center for Military Studies an der UniversitĂ€t Kopenhagen, Henrik O. Breitenbauch, wurde damals mit der Feststellung zitiert, man treibe keinen Handel mit Menschen und LĂ€ndern. Zudem sei das Interesse in Grönlands Bevölkerung doch wohl eher beschrĂ€nkt, eine Art „Puerto Rico mit Schnee“ zu werden.[3]

„Wir kriegen Grönland“

Am 22. Dezember 2024 teilte Trump erneut mit, er wolle Grönland den Vereinigten Staaten einverleiben.[4] Am 7. Januar 2025 bekrĂ€ftigte er ausdrĂŒcklich, er schließe, um dies zu erreichen, weder wirtschaftliche noch militĂ€rische Zwangsmaßnahmen aus.[5] Wie 2019 sind in DĂ€nemark wie auch in Grönland selbst konsternierte Reaktionen und offene Ablehnung zu hören. Unter Verweis auf die historische rassistische Diskriminierung der einheimischen Bevölkerung Alaskas, der Inuit, erklĂ€rte etwa die Abgeordnete im grönlĂ€ndischen Parlament Pipaluk Lynge: „Wir wissen, wie sie die Inuit in Alaska behandeln.“ An die USA gerichtet, fĂŒgte Lynge hinzu: „Macht das ‚great‘, bevor ihr versucht, bei uns einzumarschieren.“[6] Erste Versuche der dĂ€nischen Regierung, mit ZugestĂ€ndnissen an die Trump-Administration – etwa mit dem Versprechen, einen Flughafen auf Grönland fĂŒr US-Kampfjets vom Typ F-35 auszubauen – die Forderungen zu dĂ€mpfen, sind gescheitert. Trump habe vorvergangene Woche in einem Telefonat mit DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen nicht nur darauf beharrt, Grönland den USA einzuverleiben, wird berichtet; er habe auch mit konkreten Zwangsmaßnahmen gedroht, etwa mit Zöllen.[7] „Wir kriegen Grönland“, bekrĂ€ftigte Trump am Wochenende; sollte DĂ€nemark nicht bereit sein, auf sein Territorium zu verzichten, sei dies „ein sehr unfreundlicher Akt“.[8

Arktische FrĂŒhwarnsysteme


Trump beharrt auf der Forderung, obwohl die Vereinigten Staaten schon heute erhebliche militĂ€rische SpielrĂ€ume auf Grönland haben und DĂ€nemark ihnen bereits deren Ausweitung angeboten hat. Washington und Kopenhagen unterhalten seit 1951 ein Grönland betreffendes MilitĂ€rabkommen, das den US-StreitkrĂ€ften unter anderem die Nutzung einer weit im Nordwesten der Insel gelegenen MilitĂ€rbasis erlaubt. Sie ist bis heute als Thule Air Base bekannt, heißt aber offiziell seit einigen Jahren Pituffik Space Base. Dort befinden sich außer einer WeltraumĂŒberwachungsstation auch Radar- und FrĂŒhwarnanlagen. Diese wurden schon im Kalten Krieg eingesetzt, um womöglich anfliegende sowjetische Bomber und Raketen aufzuspĂŒren; die Route ĂŒber Grönland ist aufgrund der ErdkrĂŒmmung die kĂŒrzeste aus Russland in die USA. Experten weisen heute darauf hin, dass die Anlagen auf der Pituffik Space Base wohl nicht in der Lage sind, moderne russische Hyperschallraketen rechtzeitig zu entdecken; dazu mĂŒssten, so heißt es, „neue AufklĂ€rungsanlagen ... auch auf Grönland stationiert werden“.[9] DarĂŒber ließe sich freilich verhandeln. Die USA hĂ€tten „in Grönland militĂ€risch weitgehend bekommen, was sie wollten, indem sie nett gefragt haben“, wird Peter Viggo Jakobsen, Professor an der Königlich DĂ€nischen Verteidigungshochschule, zitiert.[10]

Arktische MilitÀrbasen

Eine mögliche Annexion Grönlands sowie eine Ausweitung der US-MilitĂ€rprĂ€senz auf der Insel wĂŒrde die militĂ€rischen Spannungen in der Arktis erheblich verschĂ€rfen. Die USA unterhalten zur Zeit – zusĂ€tzlich zur Pituffik Space Base in Grönland – neun MilitĂ€rbasen in Alaska. Russland wiederum hat seine MilitĂ€rstĂŒtzpunkte in seinen nördlichen Landesteilen auf ein knappes Dutzend aufgestockt. Dort – genauer: auf der Halbinsel Kola – befindet sich die Basis seiner Nordflotte, die nicht zuletzt einen Teil der atomaren ZweitschlagsfĂ€higkeit der russischen StreitkrĂ€fte enthĂ€lt. In Russlands arktischen Gebieten liegen zudem große Erdöl- und vor allem Erdgasvorkommen. Beides muss im Fall eines etwaigen Krieges gegen Angriffe geschĂŒtzt werden können, weshalb Moskau seine MilitĂ€rprĂ€senz in der Arktis als klar defensiv orientiert darstellt.[11] Russland hat allerdings in letzter Zeit seine Manöver auch in arktischen GewĂ€ssern ausgeweitet und sie dabei, wie berichtet wird, immer weiter in Richtung Norwegen verschoben, was seinen Bewegungsspielraum erweitert, aber im Westen als offensive Handlung eingestuft wird. Zudem kooperiert es auch in der Arktis mit China – allerdings nicht militĂ€risch, sondern etwa beim Austausch von Satellitendaten fĂŒr Kommunikation und Navigation.

„Ein starkes Signal“

Mittlerweile ist darĂŒber hinaus eine Stationierung von EU-StreitkrĂ€ften in Grönland in der Diskussion. Bereits am vergangenen Wochenende hatte der Vorsitzende des EU-MilitĂ€rausschusses, der österreichische General Robert Brieger, geĂ€ußert, es sei „durchaus sinnvoll“, in Grönland „eine Stationierung von EU-Soldaten in ErwĂ€gung zu ziehen“: „Das wĂ€re ein starkes Signal“.[13] Am Dienstag hat anlĂ€sslich eines Kurzbesuchs der dĂ€nischen MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen in Paris Frankreichs Außenminister Jean-NoĂ«l Barrot erklĂ€rt, die Arktis sei zu einem „neuen Konfliktfeld“ geworden, auf dem man „auswĂ€rtige Einmischung“ beklagen mĂŒsse; „wenn unsere Interessen auf dem Spiel stehen“, dann werde man ĂŒber die Entsendung von MilitĂ€r auch nach Grönland nachdenken.[14] DĂ€nemark hat inzwischen begonnen, in seiner autonomen Provinz auf nationaler Ebene aufzurĂŒsten. Wie am Montag mitgeteilt wurde, will Kopenhagen 14,6 Milliarden DĂ€nische Kronen aufwenden – knapp zwei Milliarden Euro –, um unter anderem drei arktistaugliche Kriegsschiffe sowie zwei Langstreckendrohnen zu beschaffen, mit denen ausgedehnte ÜberwachungsflĂŒge möglich sind. Außerdem soll die KriegsfĂŒhrung in arktischem GelĂ€nde intensiver als bisher geĂŒbt werden.[15]


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